Führungsstreit in Le Pens "Front National"

7. Februar 2003, 12:14
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FN-Bürgermeister Bompard kritisierte "Alleinherrschaft" vom Chef - Parteitag zu Ostern soll Klarheit schaffen

Paris - Ein sehr heftiger Schlagabtausch zwischen dem Präsidenten der französischen rechtsextremen "Front National" (FN), Jean-Marie Le Pen, und dem FN-Bürgermeister der südfranzösischen Stadt Orange, Jacques Bompard, hat zur Einberufung einer außerordentlichen Parteileitungssitzung geführt, um den Zwischenfall zu "klären". Den Auftakt bildete am Dienstag ein Bericht der Tageszeitung "Liberation", demzufolge Bompard die Nachfolge Le Pens anstrebe. "Herr Bompard hat gleich viele Chancen, FN-Chef zu werden, wie ich Chancen habe, Erzbischof zu werden", hatte Le Pen darauf erwidert.

Kritik an Le Pen-Linie

"Liberation" berichtete in ihrem Artikel, dass Bompard die politische Bewegung "Esprit public" gegründet habe, in der unter anderem über die künftige Wahlstrategie der "Font National" debattiert werde. In Frage gestellt werde insbesondere Le Pens politische Linie "allein gegen alle". Bompard selbst dementierte die ihm unterstellten Ambitionen, bezeichnete Le Pens Äußerungen allerdings als "ungerecht und verletzend". An Le Pen gerichtet erklärte er: "Sie müssen auf jeden Fall anerkennen, dass sie mehr Chancen haben, Erzbischof zu werden, als eines Tages mit dem Mehrheitswahlrecht in zwei Durchgängen gewählt zu werden."

"Unglückliches Missverständnis"

"Der Zwischenfall ist abgeschlossen", erklärte FN-Generalsekretär Carl Lang am Donnerstagabend im Anschluss an die eigens einberufene Parteileitungssitzung. Es habe sich um ein "unglückliches Missverständnis" gehandelt. Die rasche Streitbeilegung ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass der verheerende Disput zwischen Le Pen und seiner damaligen "rechten Hand" Bruno Megret im Jahre 1999 noch in aller Gedächtnis ist. Damals verließ Megret mit der Hälfte der FN-Führungspersönlichkeiten Le Pens Partei und gründete das "Mouvement National Republicain" (MNR).

Der grundsätzliche Vorwurf gegen Le Pens "Alleinherrschaft" bleibt allerdings bestehen. In einem Brief an den Parteichef erinnerte Bompard daran, dass bei der Präsidentenwahl im Frühjahr 2002 das Wahlergebnis vom ersten Durchgang, als Le Pen den Sprung in die Stichwahl schaffte, ein "großer Erfolg" gewesen sei, die Strategie zwischen den beiden Durchgängen, als sich die FN zunehmend isolierte, allerdings die "große Niederlage". Der nächste Parteitag, bei dem der FN-Chef neu gewählt wird, findet zu Ostern in Nizza statt. (APA)

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    Keine Chance als Erzbischof: Jean-Marie Le Pen

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