Krebszellen wandern durch den Körper

10. Februar 2003, 12:57
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Ein durch Medikamente lahm gelegtes Fortbewegungssystem wird ersetzt

Würzburg - Wandernde Krebszellen lassen sich nicht von Medikamenten abhalten, die ihre Ausbreitung im Körper verhindern sollen. Wissenschafter der Uni Würzburg fanden heraus, dass die entarteten Zellen ein lahm gelegtes Fortbewegungssystem durch ein anderes ersetzen können. Die Tumorzellen verändern ihre Form und sind in der Lage, nach Art der Amöben selbst durch kleine Gewebelücken hindurch zu schlüpfen, wie die Universität berichtet.

Den Angaben zufolge können sich aggressive Krebszellen über das Blut- und Lymphgefäßsystem verbreiten und an anderen Stellen im Körper Metastasen bilden. Um im Organismus vorwärts zu kommen, benutzen viele Krebszellen Enzyme, so genannte Proteasen, mit deren Hilfe sie eine Schneise durch das Gewebe schlagen.

Versuch der Enzymhemmung

Die Medizin hat darum versucht, diese Enzyme zu hemmen und so den Ausbreitungsdrang der Krebszellen zu unterbinden. In vielen Tierversuchen war diese Strategie erfolgreich, doch klinische Versuche an Krebspatienten verliefen bislang zum größten Teil enttäuschend, da die Protease-Hemmer die Ausbreitung der Krebszellen nicht stoppen konnten.

Die Würzburger Forscher beobachteten Tumorzellen unter einem Zeitraffer-Mikroskop. Einmal seien die bösartigen Zellen in Kollagen eingebettet gewesen, was den Verhältnissen im Körper entspreche, sagt die Wissenschaftlerin Katarina Wolf. Hier hätten sich die spindelförmigen Tumorzellen ihren Weg gebahnt und dabei eine regelrechte Röhre hinterlassen.

Wandlung soll nun erforscht werden

In einer anderen Versuchsanordnung seien die Zellen direkt in der Haut von Mäusen beobachtet worden. Eigentlich hätten sich die Krebszellen hier im dichten Gewebe verfangen müssen, doch sie seien genau so effizient wie vorher gewandert. Allerdings habe sich die Art ihrer Bewegung deutlich verändert und jetzt an die hoch flexible Bewegung von Amöben erinnert. Hierfür hätten die Zellen weder Gewebe abgebaut noch einen Pfad hinterlassen, informierte Wolf.

Die Mediziner wollten nun herausfinden, wie es zu der Wandlung komme. Wenn dieser Prozess für den Verlauf einer Krebserkrankung relevant sei, so wäre es wichtig zu wissen, wie man ihn verhindern könne, schlussfolgern die Forscher. (APA/AP)

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