Wiens Büromarkt stabilisiert sich

7. Februar 2003, 11:22
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Makler verzeichnen erstmals wieder steigende Umsätze - Leerstandsrate bleibt unverändert hoch

Wien - Nach einem Einbruch Ende 2001 hat sich der Wiener Immobilienmarkt im Vorjahr wieder stabilisiert. Nach Angaben der Immobilienberatung LaSalle Investment Management wurden 2002 insgesamt 180.000 m2 Büroflächen vermietet und verkauft. Im Rekordjahr 2000 und 2001 waren noch jeweils rund 300.000 m2 umgesetzt worden. Die Leerstandsrate ist in den vergangenen zwei Jahren jedoch angestiegen und liegt den Experten zufolge nun bei 4,5 Prozent.

Wichtigster Bürostandort bleibt das Stadtzentrum im ersten Bezirk. Dort konzentrieren sich 1,3 Mio. m2, 15 Prozent der gesamten Büroflächen der Bundeshauptstadt. Als Spitzenmiete werden in der Innenstadt 20,75 Euro/m2 pro Monat genannt. Diese Preise werden nach Angaben von LaSalle Investment derzeit aber kaum erzielt. Der durchschnittliche Mietpreis im Zentrum liegt bei 14,50 Euro/m2. Ähnliche Werte erzielen die großen modernen Büroblöcke am Stadtrand.

Neue Bürostandorte

Die Aussichten auf ein Mietwachstum bleiben laut LaSalle Investment bescheiden. Auf dem Wiener Markt sei mit einer Rendite in der Bandbreite zwischen sechs und sieben Prozent zu rechnen. Die Immobilien-Experten erwarten eine stabile Entwicklung: Die Nachfrage nach gut ausgestatteten Büroflächen werde stark bleiben.

Zu den größten neuen Bürostandorten gehört die "Donau-City" nahe der UNO-City. Insgesamt 500.000 m2 Büroflächen sind in den vergangenen Jahren entstanden, die meisten in Hochhäusern. Auch die wichtigste Verbindungsstrecke zwischen Stadtzentrum und Donau-City, die Lassallestraße und ihre direkte Nachbarschaft, haben sich zum Bürostandort entwickelt. Zu den dortigen Mietern gehören IBM, SAP und die Telekom Austria. Südwestlich des Stadtzentrum markieren die Vienna Twin Towers (48.500 m2) den Standort Wienerberg mit insgesamt 180.000 m2 erbauten und projektierten Büroflächen. Bereits 1995 wurde der Business Park Vienna mit 66.000 m2 eröffnet.

Weitere Neubauten in Planung

Zahlreiche Hochhäuser sind in den vergangenen Jahren über die beschaulichen Wiener Altbauten hinausgewachsen, etwa der Millenium Tower, das IZD-Hochhaus oder der Ares-Turm. Von 1995 bis 1997 wurden jährlich etwa 85.000 m2 fertig gestellt, 2001 steigerte sich die Bautätigkeit auf 280.000 m2 neue Büroflächen. Auch 2002 kamen 237.000 m2 neue Büros hinzu, knapp die Hälfte davon sind inzwischen vermietet. Für das laufende Jahr 2003 sind 263.000 m2 Neubauten in Planung. Südöstlich des Zentrums entsteht rund um die renovierten Gasometer der jüngste Bürostandort Erdberg.

Zahlreiche ausländische Investoren haben in den vergangenen Jahren groß in Wien investiert. So kaufte Doughty Hansen den vorwiegend leer stehenden IZD Tower. Die Privatstiftung Amisola (Karl Wlaschek) erwarb 70 Immobilien im Wert von 545 Mio. Euro. Durch die starke Nachfrage sind die Renditen gefallen. Für Gebäude im Stadtzentrum liegen sie nach Schätzung der LaSalle Investment bei 5,2 Prozent, außerhalb des Zentrums zwischen 6 und 7 Prozent. Die Immobilienberater prognostizieren für die nächsten beiden Jahre geringfügig steigende Renditen für die Immobilien im Stadtzentrum.

Für einen Gutteil der europäischen und nordamerikanischen Immobilienmärkte erwartet LaSalle Investment für 2003 und 2004 eine rückläufige Entwicklung und einen "Übergang in die Restrukturierungsphase, mit der 2004 auf jeden Fall zu rechnen ist". In der EU seien speziell die Mittelfrist-Aussichten für Deutschland, aber auch für Italien, Frankreich und Österreich eher schlecht. (APA)

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