Mannesmann-Prozess rückt näher

7. Februar 2003, 16:12
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Deutsche Justiz billigt Ermittlungen gegen Esser & Co.

Düsseldorf - Einer Anklage in der Affäre um millionenschwere Abfindungszahlungen beim ehemaligen Mannesmann-Konzern steht nichts mehr im Wege. Das nordrhein-westfälische Justizministerium gab am Freitag nach einer mehrwöchigen Prüfung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft grünes Licht. Die Anklagebehörde ermittelt wegen des Verdachts der Untreue zu Lasten der Mannesmann-Aktionäre, darunter gegen den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser, Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Vodafone-Chef Chris Gent.

Millionen-Abfindungen

Bei der feindlichen Übernahme des Konzerns durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone im Jahr 2000 sollen mehr als 250 Millionen Mark (rund 125 Millionen Euro) Abfindungen und Boni an führende Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre des Konzerns gezahlt worden sein. Allein Esser soll rund 60 Millionen Mark erhalten haben. Das juristische Nachspiel der 188 Mrd. Euro teuren, spektakulären Übernahme droht nun in einem Strafprozess zu münden.

Mit fast allen Mitteln hatten die prominenten Verdächtigen und ihre Anwälte in den vergangenen Monaten versucht, genau das zu verhindern. Nach zahlreichen Interventionsversuchen beim damaligen nordrhein-westfälischen Justizminister Jochen Dieckmann und dessen Nachfolger Gerhards (beide SPD) platzte der Justiz der Kragen: "Auch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft sollten zur Kenntnis nehmen, dass wir uns in einem Rechtsstaat befinden", so Sprecher Dieter Wendorff.

Abschlussbericht

Die Staatsanwaltschaft hatte Mitte Januar nach rund zwei Jahre langen Ermittlungen ihren fast 600 Seiten starken Abschlussbericht "wegen der überragenden Bedeutung der Sache" dem Ministerium zur Prüfung vorgelegt. Sie kann das Verfahren nun abschließen und Anklage erheben. Danach wird das Düsseldorfer Landgericht entscheiden, ob es die Hauptverhandlung gegen die Wirtschaftsführer eröffnen wird.

Klaus Esser wird seinem möglichen Auftritt als Angeklagter zuvorkommen: Anfang März tritt er als Kläger vor dem gleichen Gericht auf. Er hat das Land Nordrhein-Westfalen auf Schadenersatz in sechsstelliger Höhe wegen "massiver Rufschädigung" verklagt. Ackermann kritisierte, dass in Deutschland "über die Presse Dinge verhandelt" würden und dass nun schon über zwei Jahre eine Vorverurteilung stattfinde. Gutachten zeigten, dass die Zahlungen in Ordnung gewesen seien, so Ackermann. (APA/AP/dpa)

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    Ex-Mannesmann-Chef Esser (re.) und Vodafone-Chef Gent reichten sich im Dezember 2000 nach der Übernahme des deutschen Konzerns durch den britischen Mobilfunkanbieters die Hände.

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