Hoffnugsprojekt: Umfahrung Klosterneuburg

7. Februar 2003, 11:14
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Lange Zeit existierte die Umfahrung nur in den Köpfen der Verkehrs-Experten, seit 1997 gibt es jedoch einen konkreten Plan

Klosterneuburg - Lange Zeit existierte die Umfahrung Klosterneuburg nur in den Köpfen der Verkehrsexperten, seit September 1997 gibt es einen konkreten Plan. Diskutiert wurde eigentlich schon immer. Meist hitzig, selten sachlich. Nun scheint es endlich ernst zu werden: 2004 sollen die Arbeiten beginnen, rund 500 Mio. Schilling (36,3 Mio. Euro) wurden dafür veranschlagt. Weitere geschätzte 30 Millionen Euro könnte der 1,2 Kilometer lange "Martins-Tunnel" verschlingen, der den Umfahrungsring um die Babenbergerstadt komplettieren würde.

Details des Großprojekts

"Wissen' S, ich glaub ja eigentlich gar nicht mehr, dass es jemals eine Umfahrung geben wird." Diesen Satz hat Edwin Kleiber, Stadtbaudirektor von Klosterneuburg, schon sehr oft zu hören bekommen. Doch nervös wird der Pragmatiker deswegen nicht. Er kennt die Pläne sowie die Pros und Contras seit vielen Jahren. Im Übrigen: Kleiber hütet keine Geheimnisse - ein Modell der Stadtumfahrung steht im Rathaus und ist für jedermann zugänglich.

Auch die Details des Großprojekts sind keinesfalls "topsecret": Nahe dem Bahnhof Weidling wird ein großer Kreisverkehr entstehen, der die Blechlawine aus Klosterneuburg in einer ersten Phase einigermaßen fern halten soll. Denn der innerstädtische Verkehr hat mittlerweile bedrohliche Ausmaße angenommen: Rund 30.000 Autos quälen sich täglich durch die teils engen Gassen. Selbst die Schleichwege werden in Spitzenzeiten zu Hauptdurchzugsstraßen. Am Niedermarkt und am Stadtplatz ist der Stau längst Dauergast.

Fertigstellung bis 2008

Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Kleiber wagt sich gedanklich in die Zukunft vor: "Ich schätze 2007 oder 2008, dann wird alles fertig sein." Mit "alles" meint der Stadtbaudirektor die rund 3,2 Kilometer vom Bahnhof Weidling bis zur Anschlussstelle Waisenhaus-Kritzendorf. Die Bundesstraße verläuft parallel zur Bahn, tangiert Au-Gebiet und mündet abermals in einer schmalen Straße, die über Greifenstein ins Tullnerfeld führt.

Genau dort beginnen jedoch erneut die Probleme. Denn um eine tatsächliche Umfahrung zu ermöglichen, wäre ein Tunnel notwendig, damit auch der restliche Teil der Stadt verkehrsmäßig entlastet werden kann.

So argumentieren zumindest die Befürworter. Die Gegner befürchten aber, dass der "Martins-Tunnel" zusätzlich Verkehr durchs Hagenthal, über Gugging und Kierling magnetisch anziehen könnte. Kleiber glaubt das nicht: "Es gibt sehr vernünftige Studien, die das absolut nicht bestätigen."

Tunnel-Projekt noch in weiter Ferne

Doch während das Baulos von Weidling nach Kritzendorf vom Gemeinderat bereits abgesegnet wurde, scheint ein Realisieren des Tunnel-Projekts noch in weiter Ferne. "Man muss einfach Geduld haben. Ein Schritt nach dem anderen", beruhigt Kleiber.

Schließlich gilt es im Moment, die letzten behördlichen Hürden für den ersten Abschnitt zu überwinden. Im Jahr 2001 "wanderte" die Kompetenz über die Bundesstraßen nämlich zu den Ländern. Eine bereits begonnene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) musste somit abgebrochen und das Verfahren neu eingeleitet werden.

"Wir haben im Herbst 2002 erneut eine Umweltverträglichkeitserklärung abgegeben, die nun von der Behörde begutachtet werden muss." Kritiker zürnen deshalb. Denn Projektbetreiber und Umweltbehörde ist in beiden Fällen das Land Niederösterreich. "Das funktioniert immer so. Sich darüber aufzuregen ist doch Demagogie", ärgert sich Kleiber.

Mediale Aufregung herrschte zuletzt auch um den Spatenstich für eine Park&Ride-Anlage beim Bahnhof Kierling, der Mitte März von Landeshauptmann Erwin Pröll (V) vorgenommen wird. "Das als Startschuss für den Bau der Umfahrung zu sehen, ist interessant. Natürlich wird auf die Pläne Rücksicht genommen, dennoch sind das zwei verschiedene Dinge", bleibt der Stadtbaudirektor gelassen - und vorsichtig. Die Klosterneuburger "Tangente" ist zwar im Grunde nicht mehr zu verhindern - aber: "Erst wenn die Bagger anrollen, ist die Umfahrung wirklich fix." (APA)

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