Ein Leben ohne Erdnüsse

10. Februar 2003, 12:57
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Neuer Test weist auch geringste Nussspuren nach - und könnte Leben retten

London - Jährlich sterben rund zehn Briten an den Folgen einer unerkannten Allergie gegen Erdnüsse. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörden ist einer von etwa 200 Personen allergisch gegen die Nüsse. Nach Angaben der Mediziner ist die Tendenz steigend, berichtete BBC-Online am Freitag. Forscher haben nun eine Methode gefunden, um auch die geringsten Nussspuren in einem Test nachzuweisen.

Manche Allergiker entwickeln nur geringe Symptome, bei anderen tritt ein so genannter anaphylaktischer Schock auf. Dieser kann lebensbedrohlich werden. Die einzige Lösung für diese Patienten ist daher ein Leben ohne Erdnüsse. Das ist, so kritisieren die Behörden, nicht immer sehr einfach, da viele Lebensmittel mit Nüssen "kontaminiert" sind, da sie während der Herstellung mit diesen in Kontakt kommen. Die britische Lebensmittelbehörde Food Standard Agency (FSA) hat das Testsystem, das die DNA von Erdnüssen aufspüren soll, so sensibel konzipiert, dass es Erdnussteile auch in bereits verarbeiteter Form feststellen kann, selbst wenn der Spurengehalt nur eins zu zehn Mio. beträgt. In Zukunft müssen auch die Lebensmittelhersteller auf winzige Spuren von Erdnuss-Teilen reagieren und diese auf die Verpackung drucken.

Bisher Unsicherheit

Im Moment sind die Hersteller unsicher, ob ihre Produkte Allergene beinhalten können, daher sind auf verschiedenen Produkten nur Vermerke wie "könnte Spuren von Erdnüssen enthalten" aufgedruckt. Mit dem neuen Test sollte diese Vermutung zur Gewissheit werden. "Das neue PCR-Testverfahren ist ein wichtiger Schritt für alle Menschen, die an Lebensmittelallergien leiden", so FSA-Direktor Andrew Wadge. Er hoffe, dass dieses Verfahren auch für andere Lebensmittelallergene verwendet werden kann. In ersten Tests an Süßspeisen wie Keksen, Schokoladen, Kuchen und Würstchen erwies sich das Verfahren als geeignet.

Aufruf zu extremer Vorsicht

Begrüßt wurde das Testverfahren auch vom Vorsitzenden der britischen Anaphylaxis Campaign, David Reading, der besonders hervorhob, dass die Angst von Lebensmittelallergikern vor einer Kontamination dadurch gemindert würde. Dennoch warnt er davor, die Situation auf die leichte Schulter zu nehmen. "Menschen, die gegen Erdnüsse allergisch sind, müssen trotzdem immer extrem vorsichtig bleiben", so Reading. Das größte Problem ergebe sich aber immer noch in der Gastronomie, beim Bestellen von Mahlzeiten, die möglicherweise doch mit Erdnüssen in Berührung gekommen sind, erklärt der Spezialist.

Bereits seit einigen Jahren versuchen Gesundheitsorganisationen in Nordamerika Fluggesellschaften davon zu überzeugen keine Erdnüsse oder Lebensmittel, die im Produktionskreislauf mit Erdnüssen in Berührung gekommen sind, anzubieten. Nach Angaben der amerikanischen Gesellschaft für Lebensmittelallergiker kann es bereits beim Einatmen von Erdnuss-Gerüchen zu einem anaphylaktischen Schock kommen. (pte)

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    bild: photodisc
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