Die friedensstiftende Wirkung des Spielplans

7. Februar 2003, 10:29
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Während einige Bühnen Stellung beziehen, verzichten Burgtheater und Staatsoper auf "aufgesetzte" und "peinliche" Aktionen vor dem Vorhang

Wien - Seit vergangenem Samstag, 1. Februar, gibt es in der Wiener Volksoper keine Vorstellung ohne "Erinnerungen an einen künftigen Krieg". Ensemblemitglieder lesen vor jeder Vorstellung Texte für den Frieden. Während derzeit etwa in Berlin oder München Theater auch abseits der Vorstellungen politisch Flagge zeigen, steht die Volksoper mit ihrem Engagement in Wien ziemlich einsam da. Kaum ein Wiener Theater- und Opernhaus plant konkrete Aktionen.

Grundeinstellung per Spielplan zeigen

"Die Bundestheater Staatsoper, Burgtheater und Akademietheater zeigen ihre Grundeinstellung lieber im Spielplan als in ziemlich beliebigen Lesungen und Unterschriftenaktionen", so der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Georg Springer. "Trotzdem und gerade deshalb habe ich Sympathie für die Aktion der Volksoper, denn die haben ein Problem beim Spielplan, was nicht an der Direktion liegt, sondern an der Ausrichtung des Hauses, das eben eher ein Operettenhaus ist."

Romeo und Julia gegen den Krieg

"Am Burgtheater und in der Staatsoper wäre jede spezielle Aktion vor dem Vorhang sehr aufgesetzt und eher peinlich," so Springer weiter. Die Bundestheater seien etwa in der Initiative "Kunst gegen Gewalt" stark engagiert , "beispielsweise läuft die 'Jenufa' an der Staatsoper unter diesem Logo." In dieser Saison ist die Janacek-Oper allerdings nicht mehr angesetzt. Springer sieht im Spielplan der Häuser genug Bezug auf die Situation. "Zum Beispiel an der Staatsoper das Ballett 'Romeo und Julia'. Es gibt kaum etwas Gewalttätigeres als die Romeo und Julia-Geschichte. Wenn Sie da nicht weggehen und über Gewalt nachdenken..."

Im Pressebüro des Burgtheaters ist man ähnlicher Meinung. Darauf hingewiesen, dass sich das Haus im Zuge der schwarz-blauen Regierungsbildung im Februar 2000 für Diskussionen geöffnet habe, heißt es, damals habe sich es um ein "lokales Ereignis" gehandelt. Momentan seien keine derartigen Aktionen geplant, man warte aber gespannt die Entwicklungen ab.

"Globalisierung und Gewalt" am Volkstheater

Das Volkstheater geht mit der nach den Geschehnissen des 11. September initiierten Reihe "Globalisierung und Gewalt" auf den aktuellen politischen Diskurs ein. Ebenso wenig wie an der Josefstadt gibt es am Wiener Schauspielhaus spezielle Veranstaltungen oder Aktionen zur Irakkrise. Laut dem künstlerischen Leiter Airan Berg drücke sich die Philosophie des Hauses das ganze Jahr über im Spielplan aus, der das Thema "Clash of Cultures" mit Produktionen wie "Jerusalem, mon amour", "Macbeth" und "Marco Polo Wunderwelt" thematisiere. "Es ist ein kontinuierliches Arbeiten gegen den Krieg", so Berg, "Theater ist täglich politisch." Im Rabenhoftheater hat man gleich eine ganze "Schurkenstaaten"-Reihe ins Programm genommen, die am 27. Jänner mit einem teils informativen, teils höchst vergnüglichen Irakabend startete - als nächstes folgt die Schweiz.

WUK recycelt "Kein Blut für Öl"

Das WUK zeigt Flagge mit einem Transparent am Eingang in der Währingerstraße: "Kein Blut für Öl". Es sei noch ein altes Relikt aus dem ersten Irakkrieg, das man jetzt hervorgeholt habe, heißt es dort. Intern wird über die Teilnahme an einer Großdemonstration diskutiert und auf der Homepage spricht sich ein Editorial für eine friedliche Lösung aus.

Volksoper: Wichtig bereits vor dem "Giftgasangriff" zu reagieren

Otto Hochreiter, Vizedirektor der Volksoper, kann über durchwegs positive Resonanzen auf die gerade angelaufene Aktion berichten: "Schon die Verkündigung in den Medien ist positiv aufgenommen worden. Und auch an den Abenden wurde mit großem Respekt nach jedem Beitrag applaudiert. Zwei Dinge sind uns wichtig: dass wir nicht gewartet haben, bis die ersten Giftgasangriffe geflogen werden, sondern jetzt, in einer Phase, wo die großen Entscheidungen fallen, ein Statement abgeben. Das zweite ist die Internationalität. Wenn der Text zunächst in der Muttersprache vorgetragen und dann erst in der Übersetzung verstanden wird, erschließt sich der Begegnungsgedanke ganz intuitiv. Wir werden die Aktion so lange wie nötig fortsetzen." (APA)

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    foto: wuk
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