Deutschland: Finanzsystem droht Krise

7. Februar 2003, 10:15
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Bundesbank-Vizechef Stark zeigt sich angesichts der anhaltenden Stagnation stark besorgt

Frankfurt - Das gesamte Finanzsystem könnte nach den Worten des Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank, Jürgen Stark, bei einem Anhalten der weltweiten Wachstumsschwäche geschwächt werden. Die Reserven der Banken, die Werthaltigkeit der Kredite insgesamt, haben sich bisher als stabil und resistent erwiesen.

Aber wenn sich die Stagnation in Deutschland, das schwache Wachstum in Europa und weltweit fortsetzt, besteht die Gefahr, dass auch weiterhin Kredite Not leidend werden. Und dies könnte das Finanzsystem schwächen", sagte Stark in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" (Freitagausgabe).

Angesichts der vielen Schocks in den vergangenen Jahren habe das internationale Finanzsystem höhere Stabilität als zu früheren Zeiten aufgewiesen. "Diese Schocks sind insoweit gut vom Finanzsystem verkraftet worden, weil sich das Risikomanagement verbessert hat." Finanzrisiken seien heute durch die Nutzung von Derivaten scheinbar gleichmäßiger verteilt als etwa Mitte der neunziger Jahre.

Für ein sicheres Urteil darüber gebe es aber noch nicht genug Daten, wie eine Studie der zehn führenden Notenbanken über Kreditrisikotransfers ergeben habe. "Da zeigt sich, dass wir nur sehr lückenhafte Informationen haben, was tatsächlich an den Märkten geschieht."

Vor allem die deutschen Banken kämpfen angesichts der schwachen Wirtschaftslage und der großen Zahl von Unternehmensinsolvenzen mit hohen Kreditausfällen. Die Risikovorsorge für Kreditausfälle der Finanzinstitute ist dadurch massiv in die Höhe geschnellt, auch wenn jüngste Zahlen eine leichte Umkehr dieses Trends widerspiegeln. Analysten werten dies als Zeichen, dass die Häuser bei der Bereinigung ihrer Kreditportfolios erste Fortschritte machen. (APA/Reuters)

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