Fischer: "Rumsfelds Einschätzung ist nicht Haltung der US-Regierung"

6. Februar 2003, 21:21
12 Postings

Deutscher Außenminister relativiert - Opposition zeigt Verständnis für Aussagen des US-Verteididungsministers

Rom/Berlin - Nach Ansicht des deutschen Außenministers Joschka Fischer (Grüne) vertritt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit seiner jüngsten Kritik an Deutschland nicht die Haltung der gesamten US-Regierung. Bei seinem Besuch in New York habe er mehrere Stunden mit US-Außenminister Colin Powell verbracht und dabei nicht den Eindruck gewonnen, "dass dies die Haltung der US-Regierung ist", sagte Fischer am Donnerstag dem ZDF in Rom.

Verständnis bei deutscher Opposition

Der CDU-Außenpolitiker Wolfgang Schäuble zeigte im TV-Sender MDR Verständnis für Rumsfeld. "Die amerikanische Rhetorik muss einem nicht immer gefallen", sagte er, fügte jedoch hinzu: "Tatsache ist ja leider, dass wir uns so verhalten." Die Bundesregierung müsse aufhören, sich anders zu verhalten als der Rest der Welt und sich rhetorisch zu isolieren. Sie schade Deutschland am meisten.

Auch der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, warf Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, Deutschland in die Isolation zu treiben. In Berlin müssten die Alarmglocken schrillen, wenn Deutschland auf eine Stufe mit Staaten wie Kuba und Libyen gestellt werde. "Hier offenbart sich ein tiefer Bruch in den deutsch-amerikanischen Beziehungen."

Rumsfeld hatte bei einer Anhörung gesagt, Deutschland gehöre mit Kuba und Libyen zu den wenigen Ländern, die nicht bei einem Wiederaufbau des Irak in der Ära nach Saddam Hussein helfen wollten. Fischer sagte dem ZDF, die Beziehungen zur USA seien "von sehr guter Qualität". Die transatlantischen Beziehungen seien nicht nur für Deutschland sondern für alle Europäer und die USA von großer Wichtigkeit. (APA/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.