"Hupferln" und Blickforschung

6. Februar 2003, 20:40
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Unfälle in Wien mit umstrittenen Maßnahmen deutlich reduziert

Wien - Es war der Aufreger schlechthin, als die "Hupferln" und "Ohrwascheln" in Wiens Straßen auftauchten. Gegen die erhöhten Kreuzungsplateaus und die vorgezogenen Gehsteige wurde gewettert, bis der damalige Planungsstadtrat Hannes Swoboda ins EU-Parlament wechselte und sein Nachfolger Fritz Svihalek für Fotografen ein "Ohrwaschel" abriss.

Was nichts daran änderte, dass die Straßenrückbauten ihre Wirkung zeitigten. "1983 hatten wir noch 2235 Passanten, die bei Unfällen zu Schaden kamen, 2002 waren es 1262, bilanziert Ernst Pfleger, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Unfallforschung.

Unfallschwerpunkte

Pfleger gibt sich mit dem Erfolg "seiner" Rückbauten noch nicht zufrieden. "Die Analyse von Unfallschwerpunkten ist inzwischen Routine und wird fortgesetzt", erklärt er im STANDARD-Gespräch. Es habe sich aber auch gezeigt, dass nun in erster Linie Hauptstraßen, vor allem jene mit Straßenbahn besonders unfallträchtig seien. "Da kann man nicht alle Rückbaumaßnahmen setzen", so Pfleger. "Ein Baustein sind aber die erhöhten Haltestellen-Kaps, die allerdings nicht mehr so steile Rampen haben müssen, wie die erste in der Alser Straße."

Eine weitere Möglichkeit seien Wechselverkehrszeichen, die bei erhöhtem Fußgängerverkehr automatisch das erlaubte Kfz-Tempo auf 40 Km/h reduzieren. Weiters sollen die Schwerpunktsanierungen bei Schulen ausgedehnt werden. Außerdem sollen Erkenntnisse aus der Blickforschung in die Straßenplanung einfließen. "Kinder können etwa bei größeren Entfernungen ein fahrendes Auto nicht von einem stehenden unterscheiden. So etwas muss man berücksichtigen."

Grundsätzlich werden alle Straßenbaupläne in Wien vor der Umsetzung von der Verkehrssicherheits-Fachkommission kontrolliert, deren Vorsitzender Pfleger ist. (frei, DER STANDARD Printausgabe 6.2.2003)

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