Der "hinkende" Al-Kaida-Führer

6. Februar 2003, 20:32
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Abu Mussab Al-Zarqawi: Freundlicher Vorgesetzter im Terrorkonzern

Der Mann sei von ausgesuchter Freundlichkeit, verständnisvoll, nachsichtig, ja beizeiten sogar fürsorglich, wird berichtet. Für seine Mitarbeiter sei Abu Mussab Al-Zarqawi der beste Chef, den man sich wünschen könne, heißt es. Zarqawi ist so etwas wie ein Abteilungsleiter oder sogar ein Geschäftsführer - im Terrorkonzern Al-Kaida.

Der Jordanier, der von Colin Powell als das Missing Link zwischen Osama Bin Ladens Organisation und Saddam Hussein präsentiert wurde, hat neben höflichen Umgangsformen noch einiges mehr zu bieten: Er gilt inzwischen als einer der wichtigsten Vertrauten Bin Ladens und koordiniert für ihn die Al-Kaida-Aktivitäten in Europa. Besonders in Deutschland waren er und seine Komplizen der Al-Tawhid-Gruppe, einer islamistischen Palästinenserbewegung, aktiv. Zarqawi führte dort eine Zelle, die Anschläge plante und schließlich im April 2002 ausgehoben wurde. 13 mutmaßliche Terroristen wurden verhaftet, deren Chef konnte allerdings nicht dingfest gemacht werden.

Der hinkende und tätowierte Afghanistankämpfer soll mit seinen Leuten Attentate auf Juden und jüdische Einrichtungen geplant haben. Deutsche sollten nicht zu Schaden kommen. Das erklärte der "Hinkende" mehrfach in Telefonaten mit seinen Untergebenen, die vom deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) abgehört worden sind.

Wegen der Planung von Bombenanschlägen wurde Zarqawi in Jordanien in Abwesenheit bereits zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach den Attacken auf New York und Washington vom 11. September 2001 soll Zarqawi in Iran, im Irak, in Pakistan, Syrien und im Libanon aufgetaucht sein. Und jetzt vermuten ihn die Amerikaner im Norden des Irak.

Der Bundesnachrichtendienst hat inzwischen ein dickes Dossier über ihn angefertigt. Mindestens seit 1999 war Al-Zarqawi laut BND-Expertise Leiter eines Ausbildungs-und Trainingscamps in Afghanistan und galt als Experte für Sprengstoffe und Gifte. Er reiste häufig inkognito in seine Heimat Jordanien, nach Iran, Georgien und Tschetschenien. Am 18. Oktober 2001 meldete sich bei ihm telefonisch ein Bekannter aus Deutschland und erklärte seine Bereitschaft, als Märtyrer für den Djihad zu sterben. ("Ich schwöre, wenn du mir den Tod befehlen würdest, das täte ich.") Al-Zarqawi gab die Weisung, noch zu warten. Die deutsche Polizei durchkreuzte die Pläne schließlich.

Im Irak war der Mittdreißiger zuletzt vor allem wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustandes. Im August 2002 wurde ihm dort ein Bein abgenommen (wegen einer alten Kriegsverletzung aus Afghanistan). Jordanien stellte damals ein Auslieferungsgesuch, Al-Zarqawi setzte sich allerdings ins nordirakische Kurdengebiet ab.(Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2003)

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