Graz: Zu wenige Drogensüchtige

7. Februar 2003, 13:28
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Der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Werner Miedl wollte die britische Privatklinik-Kette Cygnet in die Steiermark bringen

Graz - "Jahrelang lag Graz in Sachen Drogen in einem Dornröschenschlaf", sagt VP-Nationalratsabgeordneter Werner Miedl, "seit 1995 nähert es sich aber an den österreichischen Durchschnitt an." Trotzdem wurde es in den vergangenen beiden Jahren zur Drogenhochburg ausgerufen. Ein willkommenes Thema im Wahlkampf: FP-Ideen wie Bürgerwehr und Dealerkopfgeld oder die Installierung einer umstrittenen Drogen-Soko der Grazer Polizei waren eine Reaktion, die Bestellung des ersten steirischen Drogenkoordinators oder eine Drogenenquete mit Experten im steirischen Landtag eine andere.

Vor genau einem Jahr ließ Miedl selbst mit einem für viele skurril anmutenden Projekt aufhorchen: Eine britische Klinikkette sollte südlich von Graz ein Haus eröffnen und Heroinabhängigen den schnellen Entzug frei von Opiaten mit dem Medikament "Detox 5" ermöglichen.

Bei einer Pressekonferenz mit dem Chef des britischen Cygnet-Konzerns, John C. Huges, präsentierte man Folder eines eleganten Hauses, das an eine Betty-Ford-Klinik für - liquide - Heroinsüchtige erinnerte.

Kein Nobelentzug

Tatsächlich ist der körperliche Entzug mit "Detox 5" zwar schon in fünf Tagen möglich, doch dieser kurze Klinikaufenthalt würde mindestens 4000 Euro kosten und wäre für die meisten Abhängigen unerschwinglich. Ein Arzt in Baden bei Wien bietet die Behandlung mittlerweile um 1200 Euro an.

Miedl, der im Februar 2002 auf die Sozialversicherungsträger sowie auf Ärzte und Rechtsanwälte als Investoren für die Klinik hoffte, musste das Projekt vorerst auf Eis legen. Denn für den englischen Klinikchef Huges hat Graz nicht genügend "Klienten", als dass sich eine Filiale seines Konzerns rechnen würde. Miedl erklärt Huges' Rückzug dem STANDARD: "Im Verhältnis zur englischen Situation kam Herrn Huges die Drogensituation bei uns nicht so dramatisch vor."

Ein kleines Segment von Drogenkranken

Nach dem vorläufigen Scheitern seines Plans gesteht der VP-Abgeordnete ein, dass das Detox-Programm nicht nur wegen des Geldes nur für ein kleines Segment von Drogenkranken geeignet sei. Denn ohne eine monatelange psychotherapeutische Nachbehandlung wäre der rein physische Entzug nicht sinnvoll. Miedl: "Wir wissen ja, dass sich die Sucht nur in einen anderen Bereich verlagert - egal, ob in die Alkohol-, Spiel-oder Sexsucht. Die Sucht ist nur das Symptom einer tiefer liegenden Krankheit." Gekoppelt mit Psychotherapie sei es denkbar, diese Behandlung in Krankenhäusern anzubieten.

Suchtproblematik ausloten

Doch zuerst will der ehemaliger Polizeibeamte parteiübergreifend die "vielfältigen Zugänge zur Suchtproblematik" ausloten: "Wir müssen uns für die Sache in der Parteipolitik zurücknehmen und gemeinsam mit Psychiatern arbeiten. Jeder Politiker, der das Problem nur auf die Polizei schiebt, irrt völlig." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 7.2.2003)

Der Nationalratsabgeordnete Werner Miedl (VP) wollte eine steirische Filiale der britischen Cygnet-Klinikkette in der Steiermark. Aus Mangel an Investoren und "Kundschaft" musste das Projekt auf Eis gelegt werden. Nun will Miedl eine parteiübergreifende Drogenpolitik forcieren.
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