Krebsmittel Mitoxantron vor Zulassung bei schwerer Multipler Sklerose

6. Februar 2003, 19:07
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Neurologe: Erkennbare Linderung im Verlauf der Krankheit

Düsseldorf - Das Krebsmittel Mitoxantron kann nach neuen Erkenntnissen auch Patienten mit schwerer Multipler Sklerose (MS) helfen. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit rund 200 MS-Patienten in mehreren europäischen Ländern, die der Neurologe Prof. Hans-Peter Hartung von der Universität Düsseldorf am Donnerstag vorgestellt hat. Der Wirkstoff solle in den nächsten Tagen in Deutschland als erstem europäischen Land auch zur Behandlung der chronischen Nervenentzündung zugelassen werden, kündigte Hartung an.

Patienten, die während der Studie Mitoxantron-Infusionen erhielten, hätten "deutlich weniger MS-Schübe bekommen, und wenn, dann waren sie weniger schwer", sagte Hartung. Seiner Meinung nach könne der Wirkstoff rund 70 Prozent aller MS-Patienten erkennbare Linderung im Verlauf der Krankheit bringen. Zudem seien die bisher zur Langzeit-Therapie genutzten Mittel wie Betainterferon rund zehn Mal so teuer.

Ursachen noch nicht sicher geklärt

An Multipler Sklerose leiden nach Auskunft der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft etwa 122.000 Menschen im Bundesgebiet. Diese häufigste entzündliche Erkrankung des Nervensystems hat verschieden schwere Verlaufsformen. Sie kann durch Ausfälle in Hirn und Rückenmark zu mangelnder Koordination des Körpers sowie schließlich zu schweren Lähmungen und dauernder Bettlägerigkeit führen. Die Ursachen für Multiple Sklerose sind noch nicht sicher geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine so genannte Autoimmunkrankheit, bei der das fehlgeleitete Immunsystem körpereigenes Gewebe attackiert.

Hinweise auf die immununterdrückende Wirkung von Mitoxantron hat es Hartung zufolge bereits in den achtziger Jahren gegeben. Durch die lange Erfahrung mit dem Mittel in der Krebs-Behandlung seien die Nebenwirkungen des Präparates bekannt, zu denen auch mögliche Herzschädigungen gehörten, sagte der Neurologe. Deshalb sollten schwere Multiple-Sklerose-Fälle damit nicht länger als vier Jahre behandelt werden. (APA/dpa)

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