"Es gibt Momente, wo sich was tut"

11. Februar 2003, 16:28
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EfEU - Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmodelle

1975 wurde für Österreichs Schulen die Koedukation (der gemeinsame Unterricht für Mädchen und Buben) gesetzlich vorgeschrieben. Auch wenn sich seither manches geändert hat, wurde doch festgestellt, dass unreflektiert erfolgende Koedukation meist kein gleichberechtigtes Nebeneinander von Mädchen und Buben bedeutet. Wie die feministische Schulforschung gezeigt hat, dient sie weiterhin der Einordnung in die Geschlechterhierarchie und trägt wenig zu einer Veränderung der unterschiedlichen Berufsentscheidungen und Lebensplanungen von Mädchen und Buben bei. Hier setzt "EfEU" an: Der Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmodelle hat maßgeblich dazu beigetragen, die Bedeutung der derzeitigen Koedukationspraxis – innerhalb und außerhalb der Schule – für den Abbau von Rollenstereotypen zu hinterfragen.

Herstory

Im Mai 1984 war von Lehrerinnen ein Arbeitskreis gegründet worden, um die erlebte Benachteiligung von Frauen und Mädchen in der Schule zu thematisieren und gemeinsam an Veränderungen zu arbeiten. Dies geschah anfangs neben der Lehrtätigkeit bei privaten Treffen. 1986 entstand daraus der Verein EfEU.

Sinn und Ziel des Vereins war und ist eine "Sensibilisierung für Sexismen in Schule, Bildung, Erziehung und Gesellschaft zwecks Veränderung der bestehenden Geschlechter-Machtverhältnisse". Dazu forschen, publizieren, dokumentieren, vermitteln, beraten die langjährigen EfEU-Mitarbeiterinnen Claudia Schneider und Renate Tanzberger. Die behandelten Themen umfassen inzwischen nicht mehr ausschließlich den schulischen Bereich. Geschlechtsspezifische Sozialisation, geschlechtssensible Kleinkindpädagogik, Rollenklischees in Kinderbüchern, Mädchen- und Bubenarbeit sind ebenso Thema wie Koedukation, Gewalt in der Schule, mädchenfreundlicher Unterricht.

"Es gibt Momente, wo sich was tut"

"Es war ein Kampf, dass das Thema als wichtig erachtet wird", erzählt Renate Tanzberger. Der Grad der Sensibilisierung habe sich in den letzten 10 Jahren wesentlich verstärkt, es gäbe auch schon mehr Materialien, Erfahrungsberichte, Stellen, an die sich MultiplikatorInnen wenden können, wenn sie geschlechtssensibel arbeiten wollen. Dennoch: Die Mehrzahl der KindergärtnerInnen, LehrerInnen und FreizeitpädagogInnen ist bis jetzt weder in der Aus- noch in der Fortbildung auf die Bedeutung der Kategorie „Geschlecht“ in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aufmerksam gemacht worden.

"Es gibt jedoch auch Momente, wo sich was tut, wo Menschen plötzlich mit der 'Geschlechterbrille' auf die Welt schauen, Ungerechtigkeiten sehen und überlegen, wie sie durch ihre Arbeit zum Abbau von Rollenklischees beitragen können", weiß Renate Tanzberger zu berichten. Dabei sei es auch ein großer Fortschritt, dass sich im Bereich Bubenarbeit "ein bisschen was tut".

Aggressionen - unterschiedlich verarbeitet

Einer der Schwerpunkte des Vereins ist das Thema "Gewalt". Es soll dafür sensibilisiert werden, dass, wenn z.B. in den Medien von „Jugendbanden“ oder von der steigenden Gewalt unter Jugendlichen berichtet wird, selten differenziert wird, von wem diese Gewalt ausgeht (meist von Buben), wen sie betrifft (Mädchen und Buben) und inwiefern die immer noch gültigen Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder Gewalt mitverursachen. „Es ist wichtig, mit Burschen daran zu arbeiten, dass ihr Scheitern an den Anforderungen der männlichen Geschlechtsrolle nicht zu Gewalttätigkeiten führt. Ebenso wichtig ist es aber auch, die Aggressionen, die Mädchen eher gegen sich selbst richten, zu thematisieren", so Renate Tanzberger.

In den letzten Jahren wurde EfEU auch vermehrt im außerschulischen Bereich (Parkbetreuung, Horterziehung, etc.) sowie im Kindergartenbereich tätig. „Je weniger Beschränkungen Mädchen und Buben von klein auf durch Rollenstereotypen erleben desto leichter fällt es ihnen später, als erwachsene Frauen und Männer ihren Weg abseits von Klischees zu gehen.“
(dy)

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