Zellen aus dem Beinmuskel ins Herz

7. Februar 2003, 08:00
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Transplantation bringt in ersten Versuchen Verbesserung fürs Herz

London - Französische Forscher haben erfolgreich patienteneigene Muskel-Vorläuferzellen nach einem Herzinfarkt eingesetzt. Sie hatten einem 72-jährigen Mann diese so genannten Myoblasten aus seinem Oberschenkel in den Herzmuskel transplantiert und diese Zellen nach seinem Tod eineinhalb Jahre später im Herz wiederentdeckt.

Der Patient sei an einem Schlaganfall gestorben, der nicht auf die Transplantation zurückzuführen sei, schreibt das Team um Albert Hagege von der Europäischen Klinik Georges Pompidou in Paris im britischen Medizinjournal "Lancet" (Bd. 361, S. 491). Die wenig differenzierten Muskel-Vorläuferzellen aus dem Bein hatten sich zu Zellen entwickelt, die zum Großteil Muskeleiweiß produzierten, berichten die Mediziner.

Verbesserung

Schon zu Lebzeiten des Mannes habe sich die Funktion der linken Herzkammer und des Herzens allgemein verbessert. Allerdings hatte er laut Hagege auch mehrere Bypässe erhalten, so dass zunächst nicht klar gewesen sei, worauf genau der Erfolg beruhe. Die Untersuchung nach dem Tod habe jedoch zumindest gezeigt, dass sich die Zellen aus dem Beinmuskel weiter entwickeln könnten und im Herz mindestens anderthalb Jahre funktionsfähig bleiben, schreibt Hagege.

Bei derartigen Versuchen mit Muskelzellen bestehe die Gefahr von Herzrhythmusstörungen, sagte der deutsche Herzmediziner Prof. Gustav Steinhoff von der Universität Rostock auf Anfrage. Daher könne es noch länger dauern, bis dieses Verfahren breit in der Klinik eingesetzt werde.

Erst vor kurzem hatte sein Team von Erfolgen bei Therapien mit patienteneigenen Stammzellen aus dem Knochenmark berichtet. Erste Ergebnisse des im Juli 2001 gestarteten Versuches zeigten, dass fünf von sechs Patienten eine höhere Pumpleistung des Herzens und eine bessere Durchblutung im betroffenen Bereich bekamen. Die Mediziner möchten nun eine zweite Versuchsphase starten. (APA/dpa)

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