An.schläge: Gegen "Schwanz-ab"-Feminismus

1. April 2008, 16:45
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Das feministische Monatsblatt feiert sein 25. Jahr - entstaubt und mit zwei ambitionierten Redakteurinnen

Wien - Hillary Clinton eint nicht alle Frauen - auch nicht alle Feministinnen: "Mir wär' Barack Obama lieber", gesteht Lea Susemichel. Überraschende Zugänge sind das Rezept der feministischen Zeitschrift an.schläge, die heuer ihren 25. Geburtstag feiert. Susemichel produziert die knapp 50 Seiten der Monatsschrift mit Saskya Rudigier seit rund zwei Jahren. Beide bringen die nötige Grundskepsis gegen alteingesessenen Rolemodels mit. Susemichel: "Wir sind bei allen relevanten Themen anderer Meinung als Alice Schwarzer."

Ob Pornografie oder Kopftuchverbot: Die an.schläge fordern differenziertere Sicht ein und wollen damit vor allem jüngere Frauen und auch Männer ansprechen. "Wir wollen das verstaubte Image loswerden und zeigen, dass Feminismus nichts mit Schwanz-ab und BH-Verbrennen zu tun hat", sagt Susemichel. Mit klarem Layout und gesellschaftspolitisch relevanten Themen, die auf ihren weiblichen Aspekt abgeklopft werden, gelingt das ziemlich klug und abwechslungsreich.

Politik und Promis

Nachzulesen etwa in der März-Ausgabe: Frauen im Nahostkonflikt, ein Interview mit TV-Köchin Sarah Wiener, ein Porträt der Filmemacherin Yvonne Rainer. an.schläge entstand 1983, unter den film-affinen Gründungsmitgliedern waren Synema-Leiterin Brigitte Mayr und die Filmemacherin Andrea Krakora. Mayr erfand den Titel.

Dass der seit Al Kaida einen nicht mehr so tollen Beigeschmack hat, wissen die beiden Redakteurinnen: "Gemeint waren Schreibmaschine, Kundmachung und der gewaltlose Anschlag auf das Patriarchat." Wäre ein neuer Titel nicht zeitgemäß? "Wir haben es diskutiert", sagt Susemichel. "Aber es ist schwierig, einen bekannten Namen aufzugeben." Anfangs erschienen die an.schläge vierteljährlich, ab 1989 monatlich, allerdings mit Turbulenzen: Wurde die finanzielle Not zu groß, erschien die Zeitschrift mitunter gar nicht oder auf nur wenigen Seiten. Seit 1994 gibt der feministische Medienverein Checkart das Magazin nun regelmäßig heraus. Geld ist aber noch immer zu wenig da. Knapp 30.000 Euro bekommen sie vom Frauenbüro der Stadt Wien, vom Bund kamen 2007 tausend Euro, dafür gab's keine Publizistikförderung.

Selbst ist die Frau

Die Redaktion bestreiten Susemichel und Rudigier als Zweifrauenbetrieb: Sie wählen Themen, engagieren Autorinnen, suchen Fotos, kümmern sich ums Layout und betreuen die Produktion bis zur Endfertigung. Sechsmal im Jahr gibt es an.schläge im Wiener Bürgerfernsehen Okto. Die Beiträge stammen ebenfalls von Rudigier und Susemichel. 60 Stunden pro Woche gehen dafür drauf, die Fördergelder reichen nur für je 20 Stunden. Entsprechen sie so nicht dem Klischee der selbstausbeuterisch arbeitenden Frau? "Es ist eine Herzenssache", sagt Rudigier und schmeißt so das nächste Klischee über Bord. (Doris Priesching, DER STANDARD, Print, 8./9.3.2008)

Die Zeitschrift "an.schläge" ist im Buchhandel erhältlich.

Link
www.anschlaege.at

 

  • Saskya Rudigier und Lea Susemichel produzieren die feministische Zeitschrift "an.schläge".
    foto: standard/hendrich
    Saskya Rudigier und Lea Susemichel produzieren die feministische Zeitschrift "an.schläge".
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