Marek für freiwillige Frauenquote in Firmenspitzen

7. April 2008, 15:04
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Alle Jahre wieder bekannte Forderungen, "starke Signale" oder "fromme Wünsche" zum 8. März: Bures ortet "breite Basis von Verbündeten" und Grüne für verpflichtende Regelung von 40 Prozent

Wien - Im Vorfeld des 100. Internationalen Frauentages gibt es - wie alle Jahre - zahlreiche Wortmeldungen zur Frauenpolitik und zur anhaltenden Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

Heuriges Szenario


Ambitioniert gaben sich die RegierungsvertreterInnen: Staatssekretärin Christine Marek will die sogenannten Corporate Governance Codes (Benimmregeln börsennotierter Unternehmen, Anm) reformieren, um mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen. Frauenministerin Doris Bures witterte "eine echte Chance, reale Chancengleichheit für Frauen zu erreichen". Kritik kam von der Opposition: Die Grünen orteten "fromme Wünsche", das BZÖ nur "vage Ankündigungen".

"Breite Basis"

Bures freute sich in einer Aussendung am Donnerstag über eine "breite Basis von Verbündeten für eine Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt". Sie verwies dabei auf "jüngste Aussagen von Marek und des ÖGB zur Frauenförderung in der Wirtschaft und transparenten Gehaltsstrukturen".

Die Staatssekretärin hatte in der "Presse" (Donnerstag-Ausgabe) unter anderem dafür plädiert, eine Frauenquote in ein Zusatzprotokoll des "Corporate Governance Kodex" aufzunehmen. Dieser Kodex dient als Regelwerk für verantwortungsvolle Führung von Unternehmen in Österreich und richtet sich vorrangig an österreichische börsennotierte Aktiengesellschaften. "Unternehmen könnten mittels Selbstverpflichtung in die Offensive gehen und ein starkes Signal setzen", erläuterte sie. Von der von Bures und den Grünen allgemein geforderten "Koppelung der Wirtschaftsförderung an Frauenförderung" hält sie wegen der Vielzahl an unterschiedlichen Projektförderungen wenig.

Grüne wollen mehr: Verpflichtende Regelung

"Aufgrund von frommen Wünschen und unverbindlichen Aufforderungen wird die Zahl der Frauen in den Aufsichtsräten kaum steigen", stellte die Grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger zum Vorstoß Mareks fest. Sie pochte auf eine verpflichtende Quotenregelung von 40 Prozent. Allerdings kann sie sich eine Übergangsfrist von freiwilliger Selbstverpflichtung hin zur gesetzlichen Vorschrift vorstellen.

BZÖ: Ankündigungen und Alibis

Ein "vernichtendes Zeugnis" stellte BZÖ-Frauensprecherin Elke Achleitner der derzeitigen Regierung für deren Frauenpolitik aus. Außer "vagen Ankündigungen und Alibi-Aktionen" sei von Frauenpolitik weit und breit nichts zu sehen. So verwies sie etwa auf "gravierende Missstände im Unterhaltsrecht". Diesen annehmen will sich Justizministerin Maria Berger, wie sie ihrerseits in einer Aussendung ankündigte.

KPÖ ortet Stillstand

Frauenpolitisch "kaum etwas weitergebracht hat" die Regierung auch aus Sicht der KPÖ. So bemängelte KPÖ-Bundessprecherin Melina Klaus, dass die bedarfsorientierte Mindestsicherung "bisher auf dem Papier geblieben ist".

Weitere Wortspenden

"Kein Tag der Freude" ist der 8. März für Volkshilfe Präsident Josef Weidenholzer. Er machte darauf aufmerksam, dass weltweit zwei Drittel der Armen weiblich sind. Der Chef der Christgewerkschafter und ÖGB-Vizepräsident Norbert Schnedl forderte vermehrte Anstrengungen ein, um auch in der Privatwirtschaft für Gerechtigkeit in Lohnfragen zu sorgen.

Als "Erfolgstory" für die GÖD wertet schließlich Christine Gubitzer, Vorsitzenden-Stellvertreterin der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) das 100-Jahr Jubiläum des Frauentages. Sie verwies unter anderem auf den steigenden Anteil an weiblichen Mitgliedern. (APA)

 

  • Alle Jahre wieder legen sich RegierungspolitikerInnen um den 8. März ins Zeug, angepeilte Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit vor allem am Arbeitsmarkt zu betonen.
    foto: stock.xchng/b s k
    Alle Jahre wieder legen sich RegierungspolitikerInnen um den 8. März ins Zeug, angepeilte Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit vor allem am Arbeitsmarkt zu betonen.
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