"Druck auf Frauen ist gewachsen"

1. April 2008, 16:24
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Für Elisabeth Heller, seit 25 Jahren Unternehmensberaterin, waren Frauen früher stärker auf ihre Rechte fokussiert - Heute dirigiere die Mode

"Gleichberechtigung findet im Kopf statt", meint Elisabeth Heller. Seit über 25 Jahren leitet sie die Unternehmens- und Steuerberatung Heller Consulting mit Sitz in Wien und seit fünf Jahren auch in Dubai. Von Beginn an trat sie für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz ein. "Eine Frau, die zweifelt, wird leicht aus der Fassung gebracht und kann sich dann nicht mit der nötigen Selbstverständlichkeit verteidigen", so Heller. Denn es gehe um argumentative Überzeugungskraft, nicht um moralische.

"Frauen wollen noch immer erobert und erkannt werden", hält Heller fest und ergänzt, dass in der heutigen Berufswelt aber das Werben im Vordergrund stehe. "Gerade Führungspositionen trauen sich Frauen zu wenig zu", meint Heller und merkt kritisch an, dass Frauen dafür zu wenig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um genau diese Führungstools zu verinnerlichen.

"Ohne Mann nicht vollwertig"

Auch sie habe erst lernen müssen, Dinge klar beim Namen zu nennen, ohne dabei verletzend zu sein, aber trotzdem ernst genommen zu werden. "Dafür ist es wichtig, klar in seiner Wertewelt verhaftet zu sein", so Heller. Frauen seien heute zwar tougher Männern gegenüber, trotzdem sei es ein Buhlen um den Mann, ergänzt sie. "Leider ist es noch immer so, dass sich eine Frau ohne Mann nicht vollwertig fühlt."

Das Rollenbild, das Frauen erfüllen sollen, habe sich im Laufe ihrer Karriere stark geändert. "Am Anfang waren die Frauen weniger Modepuppen als heute. Wir waren stärker auf unsere Rechte fokussiert", sagt Heller. Die Mode dirigiere heute die Frauen, und die Medien geben vor, wie Frauen ausschauen sollen. Dazu komme, dass diese Schönheitsideale durch diverse Eingriffe auch machbar werden.

Nicht alles persönlich nehmen

"Die inneren Werte treten dabei leider in den Hintergrund", kritisiert Heller. Gleichzeitig wachse der Druck auf Frauen, die äußeren Ideale auch zu erfüllen. Für Frauen sei es daher auch in der Berufswelt nicht leichter geworden. Und die Unternehmen haben wenig zur Verbesserung beigetragen. Aus ihrer Erfahrung heraus rät sie, authentisch zu bleiben und nicht alles persönlich zu nehmen. "Das ist für Frauen viel schwieriger als für Männer", so Heller.

Ein weiterer Rat aus ihrer langjährigen Berufserfahrung lautet: "Sich selbst entlasten und loslassen." Dafür bedarf es aber einer Großzügigkeit im Denken, Handeln und Verzeihen, erklärt Heller.

Erfahrungen sammeln und teilen

"Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht gern ins Büro komme", so Heller. Am Anfang ihrer Karriere musste sie Kompromisse machen, zum Teil auch faule, aber "zum Lernen sind Erfahrungen und Enttäuschungen ja da". Mittlerweile sei sie gelassener geworden und abgeschliffener - besonders in ihrer Wertehaltung sei sie heute viel klarer als am Beginn ihrer Karriere, aber das gehe nicht von heute auf morgen, das sei ein langwieriger Prozess gewesen. Daher sei es "unsere Verpflichtung, die Erfahrungen, die wir sammeln, auch zu teilen", so Heller. "Die Vergangenheit ist dazu da, um aus ihr zu lernen, aber nicht, um sie zu zelebrieren." (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. März 2008)

  • Elisabeth Heller: "Die Vergangenheit ist dazu da, um aus ihr zu lernen, aber nicht, um sie zu zelebrieren."
    foto: standard/heller
    Elisabeth Heller: "Die Vergangenheit ist dazu da, um aus ihr zu lernen, aber nicht, um sie zu zelebrieren."
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