Lehrer auf der "Schulbank"

6. Februar 2003, 14:31
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Das Wirtschaftsforum der Führungskräfte bietet seit Beginn dieses Jahres ein Praktikum für Schuldirektoren und Lehrer an - Unterrichtende sollen Einblick in die harte Praxis des Managements erhalten

Seit Jänner diesen Jahres können Schuldirektoren und Lehrer Wirtschaftspraxis in heimischen Spitzenbetrieben machen. Die Unternehmen, unter denen das Lehrpersonal wählen kann, zählen übrigens zu den Top-500-Wirtschaftsbetrieben in Österreich. Die Palette umfasst unter anderem Namen wie beispielsweise Billa, die EA-Generali oder die Reiwag-Gruppe.

Die Idee für dieses Projekt entstammt einer Initiative des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF).

Viktor Wagner, Chef des Gebäudereinigungsgruppe Reiwag und Präsidiumsmitglied des WdF, hatte im vergangenen Jahr bereits ein ähnliches Projekt für Beamte initiiert. "Damals war meine Grundidee, Staatsdiener dazu zu bringen, einen Einblick in die Geschäftsführung und in die Bereiche Controlling oder Kundenservice eines Unternehmens zu bekommen. Heute möchte ich den Unterrichtenden das Wirtschaftsleben schmackhafter machen", erklärt Wagner.

Wie es zu Viktor Wagners pädagogischen Ambitionen kam? - "Weil die Lernenden von heute möglicherweise die Führungskräfte von morgen sind", erläutert der Reiwag-Chef.

Ein Beispiel, das ...

Also ging er mit seiner Idee im vergangenen Jahr zu Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer. Diese gab sofort grünes Licht für das Projekt.

"Meine Sorge war es eigentlich, dass das Thema Wirtschaft in der Schule zu kurz kommt. Daher war es mir ein Anliegen zu zeigen, wie man Freude beim Geldverdienen haben kann", begründet der Unternehmer seine Initiative.

Groß sei mitunter die Kluft zwischen Theorie und Praxis. Deshalb sollen die Lehrer hautnah miterleben, was einen guten Betrieb so alles ausmacht: von der Mitarbeiterschulung bis zum Controlling, vom Qualitätsmanagement bis hin zur Geschäftsleitersitzung.

Huberta Fahnl, Direktorin einer öffentlichen Hauptschule in Wien-Fünfhaus, hat vor wenigen Wochen bei Viktor Wagners Reiwag ihr erstes Wirtschaftspraktikum absolviert.

Heute scheut sie sich nicht, ihren Job mit dem eines Managers zu vergleichen: "Natürlich trage ich nicht die Verantwortung für tausend Mitarbeiter, aber ich muss Abläufe und Menschen koordinieren - ebenso wie es Manager in einem Unternehmen tun."

Was sie an einem Unternehmen wie der Reiwag zu schätzen gelernt hat? - "Offenheit bei Problemlösungen, Servicebereitschaft und die Feedbackkultur haben mich persönlich sehr beeindurckt.

Das habe ich gleich in unserer Schule eingeführt. Außerdem habe ich erkannt, dass Kommunikation und Teamarbeit wesentliche Bestandteile des Miteinanders sind."

In Folge wird in der Schule in der Selzergasse jetzt an einem internen EDV-Kommunikationssystem gearbeitet.

Für Huberta Fahnl ein klares Must: "Wir müssen auch in der Schule lernen, mehr und offener zu kommunizieren", sagt sie überzeugt.

Übrigens haben sich auch schon einige ihrer Lehrerkollegen zu ähnlichen Wirtschaftspraktika in diversen Unternehmen angemeldet.

... Schule macht

"Wenn wir wissen, welche Fähigkeiten in der wirtschaftlichen Praxis aktuell gefragt sind, können wir den Unterricht der Kinder entsprechend zukunftsträchtig gestalten", ist Fahnl überzeugt.

Die Pädagogin will sich daher auch weiterhin dafür einsetzen, dass Wirtschaft und Bildung näher zusammenrücken. Schon sind die ersten regionalen Bildungscluster entstanden, in denen Pädagogen und Unternehmer als Teile eines lebendigen Netzwerks agieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.2.2003)

Judith Grohmann

Link

www.unternehmen-bildung.at

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