Österreicher gehen fremd

8. Februar 2003, 10:25
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Unter dem Druck der großen Konkurrenz im eigenen Lager suchten schon in der Vergangenheit zahlreiche Akteure teils skurrile Auswege - Fürstauer holt RTL-Gold bei den Asian Games für den Libanon

St. Moritz - Sie sind wieder da, die WM-Exoten, Ski-Touristen und Legionäre. Starter aus Osteuropa, Afrika, Asien und Südamerika, die alle zwei Jahre bei Olympia oder Weltmeisterschaften ausgerechnet zwischen Torstangen den Beweis antreten wollen, dass der alpine Skisport eine Weltsportart ist. Auf der anderen Seite werden wegen der "Nur-Vier-Starter-Regel" Klasse-Fahrer selbst zu Exoten. Österreich stellt das Gros der "Fremdarbeiter".

Adieu Österreich

Pepi Strobl und Andreas Schifferer sind nur die aktuellsten österreichischen Auswanderungs-Kandidaten. Vor ihnen hatten u.a. schon die Brüder Ludwig und Adalbert Leitner, Marc Girardelli, Markus Eberle, Kathrin Gutensohn oder die für Neuseeland fahrende Salzburgerin Claudia Riegler notgedrungen Österreich den Rücken gekehrt. Für missglückte Versuche stehen Skispringer Andreas Goldberger oder Elfi Eder, deren Slalom-Karriere am versuchten Wechsel nach Grenada zerbrach.

Von Grenada bis in den Libanon

Es gibt aber auch die echten österreichischen "Exoten". Wie etwa Manuel Brunner. Der 21-jährige Niederösterreicher startet für Grenada und hätte wohl schon längst im Weltcup Fuß gefasst, hätte er nicht vor drei Jahren bei einem Renn-Sturz in Frankreich eine schwere Beinverletzung erlitten. Bei der WM in St. Moritz ebenfalls wieder am Start ist der Salzburger Niki Fürstauer (22). Der Sohn des OK-Chefs der 91er-WM in Saalbach, Hannes Fürstauer, startet für den Libanon und wärmte bei den Asian Games in Aomori (Japan) für St. Moritz auf.

Gold für Fürstauer bei Asian Games

Dort gewann Fürstauer die erste Goldmedaille der Asien-Winterspiele für den Libanon. Der 22-jährige Doppel-Staatsbürger sicherte sich am Freitag den Titel im Riesentorlauf vor den Japanern Tetsuya Otaki (0,77 zurück) und Masami Kudo (0,79). "Ich hoffe, das libanesische Volk ist über diese Goldmedaille glücklich", sagte der Saalbacher, der zuvor im Slalom Zweiter geworden war.

Bescheidene Ziele

Umgekehrt liegt der Fall bei Leyti Seck. Der 22-jährige aus Strobl bei Salzburg startet für den Senegal, weil sein Vater aus diesem westafrikanischen Land kommt. Über Bezirks- und FIS-Rennen ist Leyti zwar noch nicht hinaus gekommen, dafür vor zwei Jahren während der WM in St. Anton aber auf die Idee, dass er doch für den Senegal starten könne. Sein Ziel: "Durchkommen und den Rückstand unter zehn Sekunden halten."

Ein Österreicher für Australien

Ein "Österreicher" ist auch für Australien unterwegs. Hannes Zirknitzer ist der Sohn des in Australien lebenden Cousins von ÖSV-Trainer Georg Zirknitzer, Er ist in Australien aufgewachsen, hat aber die Ski-Hauptschule in Neustift besucht, mittlerweile studiert der Teenager in Harvard (Boston) und absolviert in St. Moritz seinen ersten WM-Start. Seine Schwester Anneliese hat nach einigen wenigen Weltcup-Auftritten ihre Karriere beendet.

Resi und Seppi

Und da wäre auch noch Resi Stiegler. Die 17-jährige Tochter des österreichischen Slalom-Olympiasiegers von 1964, Pepi Stiegler, fährt ihre erste Weltcup-Saison und ist ein Schützling von Coach Mathias Berthold im US-Skiteam. Mit ihren langen blonden Zöpfen ist die in Jackson Hole (Wyoming) lebende Resi auch bei der WM eine auffallende Erscheinung. Deutsch sprechen aber weder sie noch ihr jüngerer Bruder Seppi, ebenfalls ein talentierter Nachwuchs-Fahrer, kaum.

Nicht zu vergessen natürlich Hubertus von Hohenlohe. Der inzwischen bereits 43 Jahre alt gewordene Prinz nimmt für Mexiko bereits seine elften (und diesmal wohl auch letzten) Weltmeisterschaften in Angriff, wobei er im Riesentorlauf und Slalom starten möchte. Obendrein war der auch als Sänger aufgetretene Hubertus bei vier Olympischen Spielen am Start gewesen.

20 Fahrsekunden reichten zur Qualifikation

In Deutschland ist hingegen ein Teenager der Mann der Stunde. Felix Neureuther, der 18-jährige Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther hat es ins deutsche WM-Team für St. Moritz geschafft, obwohl er seinen bisher einzigen Weltcup-Auftritt beim RTL in Kranjska Gora nach nur 20 Sekunden beendet hat. Kein Wunder also, dass einige frustrierte ÖSV-Fahrer mit einem Wechsel nach Deutschland liebäugeln. (APA)

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