Tele2 steigt in den Mobilfunkring

9. Februar 2003, 12:48
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Mobilfunkangebot ohne Grundgebühr und ohne Wertkarte - Marktauftritt als reiner Wiederverkäufer von One

Der europaweit tätige Festnetz- und Internetbetreiber Tele2 steigt in Kooperation mit dem drittgrößten Mobilfunkanbieter One ins österreichische Handygeschäft ein. Tele2 startet unter der One-Vorwahl "0699" und mit einem Tarifschema ohne Grundgebühr sein Mobilfunkangebot als reiner Wiederverkäufer von One-Services. Tele2 rechne damit, dass in den kommenden Monaten 10 Prozent der insgesamt 500.000 Festnetz- und Internetkunden das Mobilfunkangebot von Tele2 nützen werden.

Wunsch der Kunden

Mobiltelefonie sei "kein Statussymbol mehr, sondern ein Produkt des täglichen Bedarfs", begründete Tele2 Österreich-Geschäftsführer Wieser den Einstieg in den Mobilfunkmarkt. Angesichts des unübersichtlichen Tarifdschungels in Österreich bestehe der Bedarf für "einfaches und billiges Telefonieren". Mehr als 50 Prozent der tele2-Kunden hätten bisher den Wunsch geäußert, auch Mobilfunkdienste von Tele2 nutzen zu können.

Keine Wertkarten

Das Freischalten und Aufladen des Handys erfolgt bei Tele2 über einen Anruf bei der Gratis-Nummer 0800 30 40 200, Wertkarten gibt es nicht. Die Aufladebeträge liegen zwischen 10 und 50 Euro, bezahlt wird im Nachhinein über die Tele2-Telefonrechnung per Erlagschein oder Bankeinzug. Tele2-Mobilfunkkunden zahlen 35 Cent pro Minute ins Festnetz in der Geschäftszeit und 15 Cent in der Freizeit. Gespräche in alle Mobilfunknetze kosten 29 Cent, nur ins tele.ring-Netz müssen – laut regulatorischen Auflagen – 35 Cent bezahlt werden. Abgerechnet wird im 30 Sekunden-Takt. Das Versenden einer SMS kostet 19 Cent. Auslandsgespräche sind über alle One-Roamingpartner möglich.

Zuckerl

Als besonders Zuckerl werden pro angenommenen Anruf 2 Cent pro Minute gutgeschrieben – als "Belohnung der Erreichbarkeit und um den Gesprächsverkehr zu stimulieren", so Wieser. Kunden, die sich bis 31. März anmelden, erhalten einen Startbonus von 20 Euro. Die Preisersparnis gegenüber anderen Wertkartentarifen liege bei Tele2 bei bis zu 50 Prozent, sagte Marketingvorstand Marco Harfmann. Durch das Aussparen von Wertkarten spare sich Tele2 einiges an Logistik- und Druckkosten. Das Tele2-Mobilfunkangebot könnten auch Nicht-Tele2-Kunden nutzen, für bestehende Tele2-Festnetzkunden sei das Angebot zunächst auf zwei Handys beschränkt. Tele2 vertreibt selbst zwei Handys der Marken Nokia und Siemens. Um das eigene bisherige Handy weiter nutzen zu können, müssen einmalig 29 Euro bezahlt werden.

"0688"

Tele2 wollte bereits im Vorjahr als so genannter virtueller Netzbetreiber (MVNO) mit der Vorwahl "0688" in den österreichischen Mobilfunkmarkt einsteigen, der Telekom-Regulator verweigerte Tele2 aber die "Lizenz zum Funken", da auch ein MVNO gemäß geltendem Telekomgesetz (TKG) eine eigene Mobilfunklizenz benötigt. Das neue TKG, das bis spätestens 25. Juli 2003 beschlossen werden soll, wird voraussichtlich MVNOs von der Lizenzpflicht befreien. Dann werde Tele2 erneut versuchen, als MVNO starten zu können, kündigte Wieser an. Die Investitionen in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe habe man bereits getätigt und teilweise schon im Vorjahr abgeschrieben. Für den Kunden werde sich dadurch aber – außer der Vorwahl – nichts ändern. Tele2 ist in Europa als MVNO bereits in den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Finnland und einigen Überseeländern tätig. Ein Mobilfunkeinstieg sei auch in Russland geplant.

Mit "Tele2" gebrandet

Ein MVNO betreibt mit Ausnahme von Funkmasten und Frequenzen alles selbst, was zum Handygeschäft gehört (beispielsweise Switches und Server), und tritt mit eigener Vorwahl und eigenen SIM-Karten auf. Ein ESP (Enhanced Service Provider) – wie Tele2 - hingegen braucht keine eigene Mobilfunklizenz, nützt ausschließlich bestehende Infrastruktur eines Lizenzinhabers sowie dessen SIM-Karten und beschränkt sich auf das Wiederverkaufen von Leistungen eines bestehenden Mobilfunkbetreibers. Die SIM-Karten von Tele2 sind zwar One-SIM-Karten, aber mit "Tele2" gebrandet, am Display des Tele2-Mobilfunkkunden erscheint nicht "One", sondern "Tele2". In Europa gebe es ESPs beispielsweise in Deutschland, so Wieser. Der Auftritt als ESP in Österreich sei mit dem Telekom-Regulator und mit dem Infrastrukturministerium abgestimmt.

Seit 1999 in Österreich tätig

Tele2 ist seit 1999 in Österreich mit rund 200 Mitarbeitern tätig, Brancheninsidern zufolge beläuft sich der Umsatz des in Österreich seit 2002 profitabel wirtschaftenden Unternehmens hierzulande auf rund 70 Mill. Euro. Europaweit betreut Tele2 17 Mio. Kunden in 21 Ländern. (APA)

  • Das Logo von "Tele2 Mobil"

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