Streusalz wird knapp

6. Februar 2003, 17:08
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Salinenarbeiter-Streik in Frankreich behindert Nachlieferungen- Salzstreuung wird auf hochrangiges Straßennetz reduziert

Innsbruck/Linz/Graz/Bregenz - Der Engpass beim Streusalz in Österreich spitzt sich zu. Die Salinen sprechen von einer "schwierigen Situation, wie es sie noch nie gegeben hat". Mehrere Faktoren seien zusammen gekommen und haben zu den jetzigen Versorgungsproblemen geführt, sagte Karl Krenn, der Chef der Saline Ebensee.

Enorm viel Schnee

Erster Faktor sei, so Krenn, dass es in ganz Österreich und darüber hinaus auch in anderen Ländern wie Deutschland intensiv geschneit hat und daher der Streusalzverbrauch hoch war.

Streik

Zweitens habe der noch andauernde Streik bei den französischen Salinen dazu geführt, dass die von dort georderten Lieferungen stockten. "Ein Zug mit 1.000 Tonnen Streusalz, das wir bestellt haben, steht immer noch in Frankreich", so Krenn. Generell sollten pro Tag 400 Tonnen Streusalz aus Frankreich kommen, das vor allem für Westösterreich bestimmt wäre, auf diese Lieferungen wartet man bisher vergeblich.

Auch in Nachbarländern hoher Salzverbrauch

Drittens schließlich sei auch aus Deutschland kein Streusalz zu bekommen, weil man es dort selbst braucht. Ebenso haben mehrere Schiffe mit Salz aus den Niederlanden Verspätung, es dürfte - so meinen die Salinen - Probleme infolge der niedrigen Wasserstände geben. Frühestens kommende Woche sei mit dem Eintreffen der Schiffsladungen zu rechnen, meinte Krenn.

Die Lager der Österreichischen Salinen selbst sind leer, mit der Streusalzproduktion von täglich rund 600 Tonnen kann man nur die wichtigsten Straßenverbindungen - vor allem das Autobahnnetz - bedienen.

Oberösterreich: Wichtige Straßen haben Vorrang

Der zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter in Oberösterreich, Franz Hiesl (V), gab am Donnerstag bekannt, dass im Bundesland ab sofort nur mehr für die Autobahnen und die wichtigsten Bundesstraßen Streusalz zur Verfügung steht. Auf dem übrigen Straßennetz wird auf Splittstreuung umgestellt. "Ich ersuche die Autofahrer um Verständnis für diese notwendige Sofortmaßnahme und vor allem um erhöhte Vorsicht und Anpassung der Geschwindigkeit bei Splittstreuung", sagte Hiesl.

Tirol: Nur mehr auf der Inntalautobahn

In Tirol gab die zuständige Abteilung des Landes bekannt, dass es Salz-Streuung ab sofort nur noch auf der Inntalautobahn gebe. Die Verkehrssicherheit auf den Landesstraßen, inklusive der ehemaligen Bundesstraßen, werde mit Streusplitt aufrecht erhalten, erklärte Eckard Schumacher, Vorstand der Landesabteilung Straßenerhaltung in der Landesbaudirektion. Für die Brenner-Autobahn ist die Alpenstraßen AG zuständig.

Im Winter seien bereits rund 20.000 Tonnen Streusalz auf den Straßen ausgelegt worden. Auf betroffenen Straßenabschnitten würden zusätzliche Verkehrstafeln mit der Aufschrift "Vorsicht, vorwiegend Splitt-Streuung" aufgestellt. Die Autofahrer wurden ersucht, dem jeweiligen Fahrbahnzustand entsprechend vorsichtig zu fahren.

Noch relativ hohe Lagerbestände in der Steiermark

In der Steiermark gibt es einstweilen noch "relativ hohe Lagerbestände" an Streusalz. Sollte es in absehbarer Zeit im Land zu einem neuerlichen starken Wintereinbruch kommen, würde man aber, so der Chef der Straßen- und Brückenerhaltung, Gunther Dirnböck, "beim Streuen gewisse Prioritäten setzen müssen".

Alle steirischen Straßenmeistereien hätten noch "gut gefüllte Vorratslager" hieß es. Dennoch gibt es laut Dirnböck die Weisung, "mit den Vorräten sparsam umzugehen, denn wir wissen nicht, welche Überraschungen der Winter für uns noch parat hat." Im Notfall würden die Streusalzvorräte landesintern dorthin umgeschichtet, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Keine Probleme in Vorarlberg

"Keine Probleme" trotz aktuellem Schneechaos gibt es in Vorarlberg. In den Großdepots im Pfänder, in Hohenems und Feldkirch-Felsenau wurden vor dem Winter rund 4.500 Tonnen Salz eingelagert. Im vergangenen Winter wurden im Ländle etwa 4.400 Tonnen Salz und knapp 2.500 Tonnen Splitt gestreut. Er habe aus dem Winter 1999/2000 gelernt, als das Streusalz knapp wurde, begründete Hubert Gorbach die großzügige Lagerhaltung, die für einen durchschnittlichen Winter reiche. Falls notwendig, werde rechtzeitig für Nachschub gesorgt. (APA)

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