Irak-Krise trübt die deutsch-amerikanischen Beziehungen

6. Februar 2003, 13:15
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Chronologie: Der drohende Irak-Krieg entzweit Berlin und Washington Deutsch-amerikanische Beziehungen im vergangenen Jahr getrübt

Berlin (APA/AFP) - Der Irak-Konflikt hat die deutsch-amerikanischen Beziehungen zuletzt stark eingetrübt. Mit Spannung wird deshalb das geplante Treffen zwischen Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) und seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet. Im Folgenden ein Überblick über die Entwicklung der bilateralen Beziehungen seit dem letzten Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei US-Präsident George W. Bush vor gut einem Jahr.

31. Jänner 2002: Schröder ist zu einem Kurzbesuch bei Bush in Washington, bevor er zum Weltwirtschaftsforum nach New York weitereilt. Der Kanzler war der erste westeuropäische Gast, den Bush nach seiner Rede zur Lage der Nation empfing. In seiner Ansprache hatte der US-Präsident den Irak, den Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen" gegeißelt.

22. Mai 2002: Bush trifft zu seinem ersten Deutschland-Besuch in Berlin ein und hält am Tag darauf eine Rede vor dem Bundestag.

5. August 2002: Zur Eröffnung der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs sagt Schröder mit Blick auf einen möglichen Irak-Krieg, unter seiner Führung werde sich Deutschland nicht an "Abenteuern" beteiligen.

7. September 2002: SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler vergleicht Bush mit dem römischen Kaiser Augustus. "Bush benimmt sich, als sei er der Princeps Caesar Augustus und Deutschland die Provincia Germania. So geht es nicht."

18. September 2002: Über Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) wird wenige Tage vor der Bundestagswahl berichtet, sie habe die Methoden des US-Präsidenten mit denen von Adolf Hitler verglichen. Die transatlantischen Beziehungen sind daraufhin schwer gestört, Bush verweigert Schröder sogar den üblichen Glückwunsch zum Wahlsieg.

23. September 2002: US-Verteidigungsminister Rumsfeld wirft Schröder vor, mit dem Wahlkampf das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA "vergiftet" zu haben. Ein bilaterales Treffen mit Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) am Rande des NATO-Verteidigungsministerrates in Warschau lehnt er ab.

30. Oktober 2002: Außenminister Joschka Fischer (Grüne) reist erstmals nach der Bundestagswahl nach Washington zu seinem Kollegen Colin Powell. Eine Begegnung mit anderen Mitgliedern der US-Regierung wurde Fischer aber nicht ermöglicht. Weder Präsident Bush noch sein Vize Dick Cheney und nicht einmal die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatten trotz intensiver deutscher Bemühungen um einen Termin Zeit für den deutschen Gast.

8. November 2002: Struck spricht in Washington 80 Minuten lang mit Rumsfeld. Danach bezeichnet der US-Verteidigungsminister die Stimmung zwischen den USA und Deutschland als "unvergiftet". Am gleichen Tag telefoniert Schröder zehn Minuten lang mit Bush.

21. November 2002: Die USA bitten die Bundesregierung um Unterstützung für den Fall eines Irak-Krieges. Schröder und Bush begegnen sich beim NATO-Gipfel erstmals seit der Bundestagswahl und dem Beginn der Verstimmungen persönlich.

27. November 2002: Rumsfeld hält das deutsch-amerikanische Verhältnis weiter für angespannt.

22. Jänner 2003: Rumsfeld bezeichnet Frankreich und Deutschland als Teil des "alten Europas" und als "Problem".

3. Februar 2003: Schröder hält auch nach der Schlappe bei den Wahlen in Niedersachsen und Hessen "unverändert" an seinem strikten "Nein" zu einem Irak-Krieg fest.

6. Februar 2003: Rumsfeld stellt Deutschland wegen dessen Haltung in der Irak-Frage auf eine Stufe mit Libyen und Kuba. Der US-Botschafter in Berlin, Daniel Coats, wirft Deutschland und Frankreich vor, durch ihr "Nein" zu einem Krieg die Wahrscheinlichkeit einer Militärintervention erst recht erhöht zu haben. (APA)

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