US-Politologe: Nordkorea zu gefährlich, um es anzugreifen

6. Februar 2003, 11:29
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USA behandeln Pjöngjang und Bagdad mit zweierlei Maß

Wien - Nordkorea sei für die USA "zu gefährlich", um es anzugreifen. Dies erklärte der amerikanische Politologe Coit Blacker von der Stanford University gestern, Mittwoch Abend, bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien. "Nordkorea könnte für die USA gefährliche Waffen haben, deshalb wird eine militärische Lösung nicht ins Auge gefasst", betonte der Professor. Die US-Regierung würde den Irak und Nordkorea nach zweierlei Maß behandeln, fügte er hinzu.

Blacker glaubt, Pjöngjang werde schlussendlich eine bessere Rahmenvereinbarung mit Washington aushandeln als die 1994 getroffene. 1994 hatten die beiden Staaten vereinbart, dass Nordkorea sein Atomprogramm einfriert und im Gegenzug zwei Leichtwasserreaktoren und Öllieferungen für seine Energie-Engpässe erhält.

Bild im Kopf Bushs

US-Präsident George W. Bush verbinde die Terroranschläge vom 11. September mit Massenvernichtungsmitteln und diese wiederum mit dem Irak. Dies ist nach Blackers Ansicht die logische Schlussfolgerung des amerikanischen Präsidenten. Bush sehe es als seine Verantwortung, die amerikanische Bevölkerung vor einem Terrorattentat, das hunderttausend Menschenleben kosten könnte, zu schützen. "In Bushs Kopf ist das Bild, dass ein Anschlag passieren wird", sagte der Politologe. Deshalb setze er sich für eine Absetzung des irakischen Staatschefs Saddam Hussein "um jeden Preis" ein.

Die von der Bush-Regierung im Vorjahr deklarierte nationale Sicherheitsstrategie sei keine radikale Wende in der amerikanischen außenpolitischen Doktrin. "Sie macht nur explizit, was bisher implizit war." Die präventive Gewaltanwendung sei seit dem Zweiten Weltkrieg Teil der amerikanischen Politik gewesen. Die meisten Regierungen würden sie einsetzen, wenn sie dazu befähigt wären und sich bedroht fühlten.

Hanspeter Neuhold, Professor für Völkerrecht an der Universität Wien, betonte, in Europa herrsche - bedingt durch die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg - eine andere Einstellung zu militärischem Vorgehen. "Mit einem Krieg werden keine Probleme gelöst", betonte Neuhold. Im Begriff des so genannten "gerechten Kriegs" sehe er ein Problem, denn: "Wer entscheidet, ob ein Krieg gerecht ist?" Bezüglich der amerikanischen Sichtweise von Multilateralismus erklärte Neuhold: "Über dieser droht immer das Damokles-Schwert - wenn du es nicht im Multilateralismus bekommst, hol es dir alleine." (APA)

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