Förderungen verpuffen in Lehrlingsausbildung

6. Februar 2003, 17:07
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AK schlägt Alarm: Bis zu 7.000 Ausbildungsplätze fehlen - 2.000 zusätzliche Stellen gefordert

Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt hat sich weiter verschärft. Aktuell fehlen je nach Lesart zwischen 1.600 und 7.000 Lehrstellen. Großzügige öffentliche Förderungen und neue Lehrberufe haben keine Trendwende gebracht. Die AK fordert 2000 zusätzliche Ausbildungsplätze.

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Wien - Die seit längerem überdurchschnittlich steigende Jugendarbeitslosigkeit hat tiefe Spuren in der Lehrstellenbilanz hinterlassen. Zwar streiten Fachleute über die korrekte Lesart der Statistik. Unbestritten ist, wie sich jetzt zeigt: Öffentliche Förderungen in Millionenhöhe verpuffen, in vielen Berufen werden österreichweit gerade ein, zwei Lehrlinge ausgebildet.

Nach der optimistischen Auslegung durch das Arbeitsmarktservice (AMS) fehlen derzeit österreichweit 1613 Lehrstellen. Im Jahresabstand stieg die Zahl der Lehrstellensuchenden um neun Prozent, jene der offenen Lehrstellen nur um 1,2 Prozent oder exakt 28 Plätze. In der pessimistischeren Lesart der Arbeiterkammer (AK), die Jugendliche in kurzfristigen Schulungsmaßnahmen (z. B. Berufsorientierung) mitzählt, fehlen 5003 Lehrstellen. Wer auch noch jene Jugendliche mitzählt, die im so genannten Auffangnetz (Lehrgänge bei Wifi, bfi, Jugend am Werk etc.) auf eine reguläre Ausbildung "warten", kommt auf rund 7000 fehlende Lehrstellen.

AMS-Experte Hans Hruda: "Die Situation hat sich deutlich verschlechtert. Die diversen massiven Förderungen haben offensichtlich nichts gebracht. Auch die neuen Lehrberufe nicht." Inklusive der neuen Lehrlingsprämie von 1000 Euro pro Jahr sowie dem Entfall der Dienstgeberbeiträge zu Kranken-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung werden Lehrbetriebe heuer nach AK-Berechnung mit 122 Mio. Euro gefördert. Bis 2005 werde diese Summe auf 171 Mio. Euro steigen.

AK-Präsident Herbert Tumpel fordert, die Auffangnetz- Lehrgänge um zumindest 2000 Plätze aufzustocken.

AK-Lehrlingsexperte Arthur Baier: "Das kostet pro Jahr und Lehrling 9000 Euro. Das müsste auch noch drin sein."

Auf Arbeitgeberseite setzt Umdenken ein: Wurden seit Mitte der 90er-Jahre Spezial- Lehrberufe forciert (z. B. Gartencenterkaufmann, Straßenerhaltungsfachmann, Sportartikelmonteur), will die Wirtschaftskammer Lehrlinge wieder "universeller" ausbilden, so Generalsekretär Reinhold Mitterlehner. Auch der alten ÖGB-Idee eines Bonus- Malus-Systems für ausbildungswillige/-unwillige Firmen schließt sich die Kammer nun an. (Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 7.2.2003)

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