von Linda Reiter

13. Februar 2003, 12:40
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Liebe Leute, wir bleiben beim Thema der Vorwoche. Leserin Gerlinde bemerkte, dass die Menschen in ihrer Freizeit nur noch "Schrott" reden. Ich meinte dazu, dass die interessanten Dinge im Leben offenbar bereits gesagt sind. Dazu äußert sich ein Herr Ingo: Ich habe das Gefühl, dass sich an der Rollenverteilung in der Küche zehnmal mehr geändert hat als an jener am Tisch, in der Gesprächsrunde. Männer reden, Frauen sind still. Männer erklären die Welt, Frauen begnügen sich mit spöttischen Randbemerkungen. Wie sehen Sie das?

Anders. Auch Männer können still sein. Bis zum Alter von 25 haben sie heute überhaupt nichts mehr zu reden (außer, sie sind unter sich.) Auch von den reiferen Herren hört man oft kein Wort, meistens deshalb, weil sie gar nicht anwesend sind, weil sie doch noch einen Termin außer Haus hatten. Sie halten es nämlich nicht aus, wenn Frauen um die Wette reden, und das ist verständlich. Frauen haben umgekehrt ein größeres Leidenspotential. Sie können auch zuhören, wenn sich Männer gegenseitig abfeiern. Es gibt ja Männer, die einen ganzen Tisch unterhalten. Eigentlich unfair, denn ein Tisch ist regungslos und kann sich nicht wehren. Ich glaube aber, diese unendliche Langeweile in den privaten Gesprächsrunden hat nichts mit den Geschlechtern zu tun. Das Problem ist, dass im Freundeskreis selten deshalb gesprochen wird, weil es etwas zu sagen gibt, sondern eher deshalb, weil man nicht gut schweigen kann, sonst müsste man sich fragen, warum man überhaupt zusammen sitzt, und bevor man das zur Diskussion stellt, redet man lieber - Schrott.

Sandra fragt: Wie sieht denn nun die Alternative aus? Einzelgespräche, liebe Sandra! Im Notfall: Selbstgespräche. Immer noch besser als organisierte Unterhaltungen. Dann lieber mit den Kindern "Activity" spielen.
Freundlichst, Linda.Reiter (Der Standard/rondo/07/02/2003)

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