Ein Abend der Achziger-Nostalgiker

6. Februar 2003, 11:29
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Reichlich Prominenz bei Gedenken an Falco in Szene-Disco U4 - Posthumes Album in Aussicht

Wien - In der Wiener Szene-Disco U4 wurde in der Nacht auf Donnerstag unter dem Motto "Hoch wie nie" des vor fünf Jahren verstorbenen österreichischen Popstars Hans Hölzl alias Falco gedacht - mit viel Prominenz und mythischer Verklärung.

Die Veranstaltung hatte die Falco-Stiftung gemeinsam mit Conny de Beauclair, dem traditionellen U4-Türsteher, initiiert. Gezeigt wurde die DoRo-Dokumentation "Wiener Blut" im Director's Cut, zu hören gab es ausschließlich Falco-Songs.

Posthume Verwertung und Verklärung

Markus Spiegel, Musikmanager und Falco-Entdecker, gab sich überzeugt, dass eine neue Generation von Fans des Hans Hölzel heranwächst: "Lieder wie 'Junge Römer' oder 'Amadeus' sind zeitlos. Selbst im Formatradio werden sie nach wie vor gespielt. [...] Darum warte ich noch mit der Veröffentlichung der Gesamtedition seiner Werke". Ein weiteres posthumes Album sei nämlich in Planung. "Es gibt zwar nicht mehr viel Studio-Material im Archiv, aber noch einige unveröffentlichte Konzert-Mitschnitte."

Viel wurde im VIP-Bereich über die zu Lebzeiten zwiespältig beurteilte Persönlichkeit Falcos gesprochen. "Er war ein Genie", sagte Altbürgermeister Helmut Zilk über den in der Dominikanischen Republik verunglückten Sänger. Unter den Gästen waren zahlreiche Musiker wie Boris Bukowski oder Kurt "Supermax" Hauenstein. Mutter Maria Hölzel zeigte sich gerührt. Dagmar Koller meinte: "Er hatte das Herz und Wort am richtigen Platz. Er war nicht verlogen, sondern hat immer das gesagt, was er sich dachte." Ehemann Zilk ergänzte: "Hans Hölzel hat Stil gehabt, was in diesem Sektor selten ist. Seine Sprache war österreichisch und kultiviert." Und Supermax sagte: "Falco hat sich selbst verwirklicht, ohne viel darüber nachzudenken. Er hat es einfach gelebt." Schauspieler Herbert Fux verglich Falco mit James Dean: "Der ist auch zum richtigen Zeitpunkt gestorben, um unsterblich zu werden."

Der ganzen Sache kritisch gegenüber stand Drahdiwaberl-Boss Stefan Weber. "Mir kommt alles hoch, wenn ich mir diesen Hype der Medien anschaue. Da wird sogar das letzte Telefonat vom Falco als Sensation verkauft. Journalisten, die mit seiner Musik nichts anzufangen wussten, spielen sich jetzt groß auf. Aber andererseits hat sich Hansi diesen Rummel verdient. Er war einfach der Beste! International hat er ein Erdbeben ausgelöst." (APA)

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    Detail des Falco-Monuments am Wiener Zentralfriedhof: Ein Obelisk und eine gravierte Glasplatte schmücken die 1999 errichtete Grabstelle

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