Innsbrucker Professor suspendiert

6. Februar 2003, 11:05
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Vorwürfe der mangelnden Arbeitsmoral entgegnet Betroffener: "Forschung findet in der Praxis statt"

Innsbruck - Zum ersten Mal ist an der Universität Innsbruck ein Professor suspendiert worden. Ihm wurde nach Angaben der "Tiroler Tageszeitung" (Donnerstag-Ausgabe) mangelnde Arbeitsmoral vorgeworfen. Das Gehalt des Architekturprofessors Christoph Langhof wurde demnach eingezogen.

"Weniger als einen Tag in der Woche verbringt Professor Langhof durchschnittlich auf der Uni", erklärten Rektor Hans Moser und Vizerektor Peter Gröbner. Langhofs Nebenbeschäftigung, die dieser nicht als solche, sondern als Forschung bezeichnet habe, sei sein Architekturbüro in Berlin. In Innsbruck habe Langhof Vorlesungen nicht oder nur alle vierzehn Tage gehalten, sagte Moser. "Seit 1999 hat Langhof keine Diplomarbeit mehr betreut - zum Nachteil der Studenten." Der Fall beschäftige auch das Bildungsministerium in Wien und gehe schon des längeren zwischen Innsbruck und Wien hin und her. "Ich habe schon mehr Zeit in diesem Semester für die Causa Langhof verwendet als er für die Uni", betonte Gröbner.

"Ich werde zum Halsabschneider gestempelt"

Christoph Langhof selbst fühlt sich zu Unrecht "herausgepickt". Die Suspendierung sei nur vorläufig, betonte er. "Forschung findet in der Praxis statt. Als Professor muss ich bauen, damit ich etwas in der Lehre zu erzählen habe." Andere Berufskollegen würden das genauso machen, erklärte Langhof und verwies auf Stararchitekten wie Hans Hollein oder Zaha Hadid. Die Vorlesungen hätten stattgefunden. "Ich werde zum Halsabschneider gestempelt, obwohl ich die Hälfte meines Honorars ohnehin für die Reise zwischen Berlin und Innsbruck ausgebe."

5.300 Euro brutto verdiene ein Uni-Professor in der höchsten Gehaltsstufe. Durch die Lehre käme noch einiges hinzu, "so dass man auf rund 6.500 Euro kommt", sagte Gröbner. Die Architekten seien es nicht allein, die den Vizerektor ärgerten. Auch bei den Ärzten gebe es mit Privatordinationen ähnliche Probleme. "Wenn ein Arzt durchschnittlich mehr als 60 Stunden pro Woche bezahlten Dienst an der Klinik versieht, darf er keine Nebenbeschäftigung mehr ausüben." In vier Fällen habe man Verbote ausgesprochen, die noch ausjudiziert werden müssten.

Geld fordere die Uni auch von jenen Ärzten, die am medizinisch-theoretischen Institut Personal und Technik für eigene Zwecke in Anspruch nehmen würden. "Es kann nicht sein, dass wir nur zahlen und der Arzt ein Privathonorar einstreift." Die Uni wolle künftig Kostenersatz, wenn Professoren an Fachhochschulen oder an der Privat-Medizinuni in Innsbruck unterrichten. (APA)

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