Ein Teil der Informationen Powells stammte von Israels Geheimdienst

6. Februar 2003, 11:04
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Israel rechnet fest mit Krieg gegen Bagdad

Tel Aviv - Ein Teil des von US-Außenminister Colin Powell vorgestellten Materials gegen den Irak stammt vom israelischen Geheimdienst. Der israelische Außenminister Benjamin Netanjahu sagte in der Nacht zum Donnerstag: "Wir haben dies seit langer Zeit gewusst. Wir haben diese Geheimdienstinformationen mit den Vereinigten Staaten geteilt, und ich glaube, die USA haben jetzt einige dieser Informationen sowie ihre eigenen mit der Welt geteilt." Er sprach von einer Erinnerung daran, welche Bedrohung Saddam Husseins Regime für die westliche Welt darstelle. "Saddam (Hussein) wird eindeutig vor nichts zurückschrecken, wenn er nicht gestoppt wird."

Auch in israelischen Medienberichten hieß es am Donnerstag, Powells Bericht stimme mit der Einschätzung in Israel überein. Kommentatoren wiesen darauf hin, dass die Rede des US-Außenministers keine wirklich neuen Informationen enthalten habe. Ziel des Berichts sei es, die öffentliche Meinung weltweit von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen. Die Kommentatoren gehen davon aus, dass ein US-Militärschlag jetzt unvermeidbar ist.

Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Militärkreise, die USA verfügten über noch deutlichere Beweise gegen den Irak. Powell habe diese jedoch nicht vorgelegt, weil er befürchte, damit Geheimdienstmitarbeiter zu gefährden. Die Einschätzung der Armee sei, dass "die Elefanten losgerannt sind und sie nichts mehr stoppen kann".

Dagegen forderte die Palästinenserführung die Weltgemeinschaft auf, sich nicht nur ausschließlich mit dem Irak, sondern auch mit der Nahost-Region zu beschäftigen. Diese Region benötige "einen Hauch von Frieden und keinen Wind des Krieges", sagte Kommunalminister Sajeb Erekat der Tageszeitung "Jerusalem Post". Es sei ein Unglück, dass die Weltgemeinschaft gemeinsam über die Möglichkeit einer Kriegserklärung gegen den Irak debattiere und nicht den Friedensprozess im Nahen Osten vorantreibe. (APA/dpa)

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