Premier Gül: Türkei würde in keinem US-geführten Irak-Krieg kämpfen

6. Februar 2003, 11:03
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Nutzung der türkischen Luftwaffenstützpunkte durch die USA soll aber genehmigt werden

Ankara - Die türkischen Soldaten würden nach den Worten des türkischen Ministerpräsidenten Abdullah Gül in keinem von den USA geführten Krieg gegen den Irak kämpfen. "Die Türkei werden in keinen Krieg eintreten. Die türkischen Streitkräfte werden sich an einem Kampf nicht beteiligen", sagte Gül vor Journalisten in Ankara. Gül hatte am Mittwoch angekündigt, die Regierung des NATO-Mitglieds werde das Parlament auffordern, einer Nutzung der türkischen Luftwaffenstützpunkte durch die USA für einen Militärschlag zuzustimmen. Eine Entscheidung der Abgeordneten wurde für Donnerstag erwartet.

Türkische Truppen stehen bereits im Norden des Irak, um dort nach türkischen Angaben im Kriegsfalle Flüchtlinge zu versorgen und einen Zerfall des Irak zu vermeiden. Die Stationierung weiterer Soldaten wurde in den kommenden Monaten erwartet. Im Norden des Irak lebt ebenso wie im Südosten der Türkei eine kurdische Minderheit, die eine Instabilität in der Region für das Streben nach einem eigenen Staat nutzen könnte.

Parlaments-Zustimmung zu Basen-Ausbau erwartet

Das türkische Parlament stimmt an diesem Donnerstagnachmittag über den Ausbau von Luftstützpunkten und Häfen ab, die die US-Regierung für einen Militärschlag gegen den Irak modernisieren und nutzen will. Beobachter rechnen damit, dass eine Mehrheit dafür zu Stande kommt. Über eine Stationierung amerikanischer Truppen wollte die islamisch-konservative Regierung unter Ministerpräsident Abdullah Gül das Parlament allerdings erst nach dem moslemischen Opferfest in der kommenden Woche entscheiden lassen.

In dieser Frage habe Gül den amerikanischen Vizepräsidenten Richard Cheney auf später vertröstet, schrieben türkische Zeitungen am Mittwoch. Cheney habe Gül am Telefon vergeblich zu einer Entscheidung noch in dieser Woche gedrängt. Washington benötigt die Zustimmung Ankaras für den Transit amerikanischer Truppen, die für eine Nordoffensive gegen Bagdad eingesetzt werden sollen.

Als NATO-Mitglied wünscht die Türkei einen baldigen Beschluss des Bündnisses über die Bereitstellung von AWACS-Flugzeugen und Patriot-Raketen, die das Land im Falle eines Irak-Krieges schützen sollen. "Wir erwarten, dass Verzögerungen schnell überwunden werden", sagte der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Yusuf Buluc, am Mittwoch. Eine Entscheidung des Nordatlantikrates über die Mitte Jänner von Washington vorgetragene Bitte haben vor allem Deutschland und Frankreich bisher verhindert. Das türkische Außenministerium hatte die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Belgiens am Dienstag über den dringenden Wunsch Ankaras nach Unterstützung durch die NATO unterrichtet. (APA/Reuters)

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