Europa kämpft weiter gegen Rezession

6. Februar 2003, 20:30
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Im ersten Quartal droht die Wirtschaft in der Eurozone zu schrumpfen - Wifo: Schwache Binnennachfrage dämpft Wachstum

Wien/Brüssel - Die jüngsten Konjunkturdaten dämpfen die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung in der Eurozone: Laut aktueller Prognose der EU-Kommission könnte das erste Quartal sogar ein Minus von 0,1 Prozent bringen, bestenfalls ein Plus von 0,3 Prozent.

Das entspricht den Schätzungen für das Wachstum im vierten Quartal 2002 - endgültige Zahlen liegen dafür noch nicht vor. Allerdings zeigt die Pleitenstatistik für 2002 in ganz Westeuropa zweistellige Zuwächse, Deutschland erlebte eine besonders heftige Pleitenwelle. Dort brachen auch die Auftragseingänge der Industrie im Dezember um über vier Prozent ein.

Für das heimische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bedeutet all das eine weitere Verschiebung des erwarteten Aufschwungs. Vor allem eine anhaltend schwache Binnennachfrage dämpfe die Aussichten in Österreich und Europa, sagt Wifo-Konjunkturexperte Martin Marterbauer. Umfragen unter den Sachgütererzeugern würden nicht auf einen Aufschwung, sondern auf weitere Verschlechterung des Geschäftsklimas hindeuten. Gute Nachrichten kommen lediglich von der Exportfront. Sollte der Euro aber weiter steigen, dann werde auch die Nachfrage aus Nordamerika und Südostasien sinken, sagt Marterbauer.

Laut Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gefährde selbst ein "kurzer und militärisch erfolgreicher" Irakkrieg die Weltkonjunktur, weil Ungleichgewichte weiter bestehen würden. Zudem gebe es eine Vielzahl weiterer Risiken, etwa die niedrige Sparquote der US-Verbraucher.

Den starken Euro sieht OECD-Chefvolkswirt Jean-Philippe Cotis dagegen positiv: Möglicherweise koste dieser die Unternehmen internationale Marktanteile, dafür gewinne die Europäische Zentralbank aber mehr Spielraum für Zinssenkungen. Diese ließ die Zinsen am Donnerstag unverändert, eine Senkung werde aber spätestens im April erwartet. Die Bank of England senkte indes die Zinsen überraschend um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 7.2.2003)

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Wifo

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    montage: derstandard.at
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