Komplexe Bedrohungen nehmen zu - Attacken am häufigsten an Werktagen
Attacken aus dem Cyberspace sind im zweiten Halbjahr 2002 weltweit
um sechs Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte zurückgegangen.
Allerdings ist die Anzahl der entdeckten Schwachstellen im Vorjahr um
81,5 Prozent gegenüber 2001 gestiegen. Dies ist das Ergebnis einer
Trendanalyse des kalifornischen Lösungsanbieters Symantec zum Thema
IT-Sicherheit, die kürzlich veröffentlicht wurde.
Anzahl der Attacken rückläufig
In den vergangenen sechs Monaten sei die Prozentzahl der
Unternehmen, die einen ernsten Zwischenfall erlitten hätten, auf 21
Prozent gesunken. "Die Anzahl der Attacken ist zwar zurückgegangen,
die Schwere der Angriffe hat, wie "Nimda" und "Code Red" zeigen,
allerdings zugenommen", erklärte Olaf Lindner, Director Symantec
Security Services, im Gespräch mit der APA. Die Auswertungsergebnisse
der Cyberattacken beruhen auf der statistischen und qualitativen
Analyse von Daten, die von knapp 18.000 Intrusion Detection- und
Firewall-Systemen aus mehr als 180 Ländern stammen. Für Österreich
wurden keine Einzelergebnisse ausgewiesen.
Spitzenplatz an Südkorea
Mit 23,7 Attacken pro 10.000 Internetnutzern nimmt Südkorea den
Spitzenplatz unter den weltweit "angriffslustigsten" Ländern ein.
Südkorea habe sich "stark nach vorne gearbeitet", so Lindner. Dies
könnte auf den Ausbau der Infrastruktur, vor allem die Zunahme von
DSL-Anschlüssen, zurückzuführen sein. An zweiter Stelle folgt Polen
mit 18,4 Angriffen und Tschechien mit einem Wert von 14,2. Die Top
Ten-Länder sind laut Symantec für 80 Prozent aller Attacken
verantwortlich. Länder mit einer Anzahl von weniger als einer Million
Internetusern wurden in diesem Ranking nicht berücksichtigt.
Strom- und Energieversorger vor Finanz
Die heftigsten Angriffe und schwerwiegendsten Zwischenfälle wurden
von Unternehmen aus dem Bereich Strom- und Energieversorgung
verzeichnet. Stark aufgeholt hat diesbezüglich der
Finanzdienstleistungssektor. "Man könnte spekulieren, dass das in der
kritischen Infrastruktur begründet liegt. Allerdings ist kein Fall
der vergangenen sechs Monate nachgewiesenermaßen auf Cyberterrorismus
zurückzuführen", so Lindner.
Nur etwa 15 Prozent aller registrierten Attacken seien klassische
Angriffe, zu 85 Prozent werde versucht ein mögliches Ziel
auszuspionieren. Kam es im ersten Halbjahr 2002 noch zu
durchschnittlich 32 Attacken pro Woche und Unternehmen, sank diese
Zahl bis Ende des Jahres auf 30. Am aktivsten waren die "Hacker" an
Werktagen. Am Wochenende ging die Anzahl der Attacken um 50 Prozent
zurück.
"Klez", "Opaserv" oder "Bugbear"
Komplexe Bedrohungen stellen laut Symantec weiterhin die am
häufigsten registrierte "Internetgefahr" dar. Dies würden die
Eigenschaften von Viren, Würmern und Trojanischen Pferden verbinden,
um Server- und Internetschwachstellen auszunützen, sich zu verbreiten
und Schäden anzurichten. Rund 80 Prozent aller Vorfälle mit
"bösartigem" Code im Vorjahr seien von "Klez", "Opaserv" oder
"Bugbear" verursacht worden. Auch Nutzer von Musik-Tauschbörsen wie
Kazaa oder eDonkey dürfen sich nicht in Sicherheit wiegen: Virus-
bzw. Wurm-Schreiber könnten laut Symantec in Zukunft verstärkt auf
Peer-to-Peer-Anwendungen zielen, um schadensträchtige komplexe
Bedrohungen zu verbreiten.(APA)