Französische Fluggesellschaft Air Lib vor dem Aus

6. Februar 2003, 12:40
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3.500 Jobs durch drohende Pleite gefährdet

Paris - Durch den drohenden Konkurs der zweitgrößten französischen Fluggesellschaft Ari Lib sind nach Angaben der Unternehmensleitung direkt 3.500 und indirekt 18.000 Arbeitsplätze gefährdet. "Zum jetzigen Zeitpunkt denke ich, dass das Unternehmen Air Lib am Ende ist", sagte Air Lib-Sprecher Pascal Perri am Donnerstag in Paris. Er sei "sehr beunruhigt" über die Zukunft der betroffenen Arbeitnehmer.

Die Verhandlungen über einen Rettungsversuch für das angeschlagene Unternehmen waren in der Nacht endgültig gescheitert. Der niederländische Investor IMCA konnte vom europäischen Flugzeugbauer Airbus keine Preisnachlässe für die geplante Anschaffung von 29 neuen Passagiermaschinen erreichen. Daraufhin verweigerte IMCA jede weitere Unterstützung für Air Lib. "Wir machen Airbus für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich", sagte IMCA-Vize-Direktor Harm Prinsen. "Ihre Preise entsprachen in keiner Weise unseren Erwartungen."

Auffanglösungen für Beschäftigte gefordert

Der französische Verkehrsminister Gil de Robien sagte, über das weitere Vorgehen müssten die Handelsgerichte entscheiden. De Robien kündigte an, die Regierung wolle sich um Auffanglösungen für die Beschäftigten von Air Lib bemühen. Die für Donnerstag angesetzten Air Lib-Flüge - etwa nach Mailand, Algerien und zu den französischen Antillen - wurden abgesagt.

Unterdessen erklärte sich Marktführer Air France, für den Air Lib die ernsthafteste Konkurrenz in Frankreich war, bereit, die Passagiere mit Air Lib-Tickets im Rahmen der Möglichkeiten zu transportieren. In der Nacht hatten die Schalter der Gesellschaft bis auf weiteres geschlossen.

Schulden an Staat

Air Lib schuldet dem französischen Staat Steuern, Arbeitgeber-Abgaben und Flughafen-Gebühren in Höhe von mindestens 80 Mio. Euro. Die Gesellschaft war 2001 aus den zusammengebrochenen Vorgängerinnen Air Outre-Mer (AOM) und Air Liberte hervorgegangen.

Am Flughafen Orly blockierten protestierende Angestellte Fahrstrecken im Flughafen-Bereich, ohne jedoch den Verkehrsbetrieb ernsthaft zu behindern. Sie machten die konservative Regierung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin für die Pleite von Air Lib verantwortlich. "Die staatliche Entscheidung, die Lizenz nicht zu erneuern, bedeutet den Tod von Air Lib", sagte ein Sprecher der Gesellschaft.(APA/dpa)

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