Polnische Kleinstadt Wielun 1939 erstes Opfer des Bombenkriegs

6. Februar 2003, 07:10
posten

1.200 Zivilisten starben

Berlin - Das erste Fliegerbomben-Opfer des Zweiten Weltkriegs war nach einem Bericht der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" die weitgehend unbekannte polnische Kleinstadt Wielun. Sie sei am Morgen des 1. September 1939 fast völlig zerstört worden.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht schreibt "Die Zeit" unter Berufung auf neue Forschungen und Dokumenten-Funde, noch vor den ersten Schiffs-Salven gegen Danzig hätten deutsche Sturzkampf-Bomber ("Stuka") die erste Angriffs-Welle gegen Wielun geflogen.

Bei insgesamt drei Angriffen starben in der wirtschaftlich und militärisch bedeutungslosen Kleinstadt 100 Kilometer östlich von Breslau 1.200 Zivilisten. Die Stadt sei zu 70 Prozent zerstört worden.

Nach Angaben der "Zeit" war der Angriff eine Test-Aktion für die kurz zuvor in Dienst gestellten Stuka-Maschinen eines neuen Typs. Der Befehlshaber, Generalmajor Wolfram Freiher von Richthofen, war vorher Chef der deutschen "Legion Condor" im Spanischen Bürgerkrieg.

Nach der Bombardierung der baskischen Stadt Guernica 1937 habe er in sein Tagebuch notiert: "Guernica, Stadt von 5.000 Einwohnern, buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht, ... einfach toll."

In Wielun zerstörten die deutschen Bomber auch das Krankenhaus. Ermittlungen gegen den Geschwaderführer nach dem Krieg wurden nach Angaben der "Zeit" wieder eingestellt, weil der Pilot in der Morgendämmerung die Klinik nicht habe erkennen können. Alle Verantwortlichen des Angriffs auf Wielun sind inzwischen gestorben. (APA/dpa)

Share if you care.