Jurassic Park III, oder: Klonen auf Mammut komm raus

6. Februar 2003, 19:44
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Forscher haben angeblich erstmals unbeschädigte DNA aus fossilen Knochen eines Mammuts isoliert

    Nun könne das Eiszeitgetier wieder zum Leben erweckt werden. Durch Klonen.

Sie können's nicht lassen. Offenbar inspiriert von Steven Spielbergs Jurassic Park, ermutigt durch das Klonschaf Dolly und all ihre artverwandten und -fremden kopierten Brüder und Schwestern, will ein russisch-japanisches Forscherteam nun ein Mammut auferstehen lassen.

Die Idee ist schon etwas älter, doch die Ausgangssituation scheint völlig neu zu sein: Glaubt man jüngsten Meldungen, so wurde in vergangenes Jahr in Jakutien im Osten Russlands entdeckten Überresten eines solchen Eiszeitgetiers nun unbeschädigte Erbsubstanz (DNA) gefunden. Es kann also losgehen.

Die aus gut erhaltenen Beinteilen des vor rund 10.000 Jahren ausgestorbenen Mammuts isolierten Zellen seien "bedingt lebendig", ließen Wissenschafter des Moskauer Vektor-Forschungszentrums für Virusforschung und Biotechnologie wissen, ihre Zellkerne seien unbeschädigt. Aus noch gefrorenen Teilen könnten vermutlich weitere lebende Zellstämme entnommen werden. Die Zahl des verfügbaren Genmaterials reiche damit für mehr als einen Klonversuch. Muss es auch, allein für Dolly waren 277 Anläufe notwendig - und das verwendete Erbmaterial war ein klein wenig jünger.

"Es kann schon funktionieren", vermutet Molekulargenetiker Ralf Steinborn vom Institut für Tierzucht und Genetik an der Veterinärmedizinischen Uni Wien, "wenn die Mammut-DNA tatsächlich im Ganzen vorliegt." Steinborn sieht jedenfalls keinen Grund, den Angaben seiner Kollegen zu misstrauen - schließlich steckten keine wirtschaftlich interessierten Gentech-Firmen dahinter, die wieder einmal einen umsatzträchtigen Werbeballon steigen lassen müssten. Sollte das Experiment gelingen, könnte es wichtige Erkenntnisse liefern.

Dass Klonen funktioniert, weiß man. Warum, wisse man nicht: "Es geht darum", erklärt Steinborn, dass die zuvor entkernte Körperzelle, die Eizelle, in die die DNA eingesetzt wird, wieder anspringt, sich richtig teilt und schließlich zu einem Embryo wird. Durch welchen Faktor sie jedoch anspringt, sei nicht bekannt. Dies könnte durch Proteine der Eizelle geschehen, durch Signale aus der eingepflanzten DNA oder auch durch RNA (eine andere Molekülstruktur, in der Erbinformationen vorhanden sind) aus dem eingesetzten Zellkern. "RNA ist aber sehr instabil, dürfte in den alten Mammutzellen nicht mehr vorhanden sein", erläutert der Genetiker. Funktioniert das Experiment, könnte dieser Faktor wohl ausgeschlossen werden.

Gefrorenes Sperma

Die Idee, ein Mammut zu klonen, tauchte bereits in den 1990er-Jahren auf. Bis vor kurzem jedoch konnte in fossilen Zellen nur zerbröselte DNA gefunden werden. Damit scheiterte auch das Ansinnen, Sperma aus gefrorenen Überresten aufzutauen, Elefanten zu befruchten - man erhielte zwar keinen Klon, aber wenigstens ein halbes Mammut.

Die jetzt isolierte und angeblich klonierungsfähige DNA soll jedenfalls in Eizellen asiatischer Elefantenkühe eingepflanzt werden. Und was ist mit einer möglichen Artenbarriere? Hat die Evolution verschlafen? Ist der Organismus eines vor 10.000 Jahren ausgestorbenen Tiers nicht viel zu verschieden von dem seiner heutigen Verwandten?

"Nein", sagt Ralf Steinborn, "unsere DNA-Vergleiche zwischen Mammuts und Elefanten haben gezeigt, dass die beiden gar nicht so weit auseinander liegen." Klone hätten schon viel größere Sprünge gemacht. So wurde ein Gaur, ein äußerst rar gewordener asiatischer Büffel, mit der Eizelle und im Körper einer normalen Kuh geklont - um zu zeigen, wie man vom Aussterben bedrohte Tiere mit einer quasi biotechnologischen Arche über Wasser halten könne. "Noah", wie der geklonte Gaur verheißungsvoll getauft wurde, starb zwei Tage nach seiner Geburt. An Durchfall.

Das Problem sei ein anderes, sinniert Steinborn: "Was macht man mit einem geklonten Mammut?" In Sibirien aussetzen und hoffen, dass es sich nicht zu Tode schwitzt? Für Forschungszwecke verwenden? Oder als Touristenattraktion vermarkten?

(Andreas Feiertag, DER STANDARD, Print, 07.02.2003)

  • Abtransport von Mammut-Stoßzähnen in Sibirien. Das vollständig erhaltene Mammut hatte der französische Entdecker und Hobby-Polarforscher Bernard Buigues 1998 im ewigen Eis am Rande Sibiriens entdeckt.

    Abtransport von Mammut-Stoßzähnen in Sibirien. Das vollständig erhaltene Mammut hatte der französische Entdecker und Hobby-Polarforscher Bernard Buigues 1998 im ewigen Eis am Rande Sibiriens entdeckt.

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