Zu viele zu gute Skifahrer. Von Benno Zelsacher.

6. Februar 2003, 11:05
posten

Für einen Berufssportler, der das Zeug hat, eine Medaille und damit viel Geld zu gewinnen, ist der Jammer naturgemäß groß, wenn ihm die Teilnahme an so einem großen Ereignis wie der Ski-WM in St. Moritz verwehrt wird. Nicht nur, aber vor allem den diesbezüglich so begabten Österreichern wird das traditionell bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen verwehrt, denn die Regel besagt, dass nur vier Läufer pro Nation in einem Bewerb zugelassen sind, bloß der Weltmeister sichert sich für das jeweils nächste Championat sein persönliches Startrecht.

Sinn der Sache ist, dass sich die Besten möglichst vieler Länder zum fröhlichen und lukrativen Kräftemessen treffen, auf dass in den diversen Heimaten möglichst viele den Fernseher aufdrehen und die den Sieg begleitenden Botschaften aufsaugen. Der fünftbeste Österreicher pflegt in der Regel schneller zu sein als der, beispielsweise, beste Südafrikaner. Den Super-G in St. Moritz schauten sich 2,1 Millionen Österreicher im TV an, die Schweizer sind auch recht neugierig, und die Deutschen werden blitzartig neugierig, wenn einer der Ihren etwas reißt.

Die Talente und die Qualität ihrer Förderung sind so gar nicht gleichmäßig verstreut in der Welt. Es gibt viele Brasilianer, die das Zeug haben, im österreichischen Fußballteam mitzuwirken, und die niemals die Chance erhalten werden, für Brasilien bei einer WM zu kicken. Im Klubfußball allerdings existieren reichlich Arbeitsplätze, und der professionelle Klubskilauf harrt noch seiner Erfindung. Dass er noch nicht erfunden worden ist, liegt an mangelnder Rentabilität. Auswanderungswillige sind zu verstehen, doch die Katze beißt sich insofern in den Schwanz, als es in Österreich ja nur deswegen so viele gute Skifahrer gibt, weil die Guten mit den Guten so gut üben. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 6. Februar 2003)

Share if you care.