Ein wenig außer Takt

5. Februar 2003, 18:41
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Die SPÖ ist aus dem Spiel um die Regierungsbildung. Vorerst zumindest - Von Samo Kobenter

Ein wenig wirkt SP-Chef Alfred Gusenbauer in diesen Tagen wie allein zu Hause gelassen. Die SPÖ kommt als Partnerin für den politischen Eintänzer Wolfgang Schüssel nicht mehr vor, und während er abwechselnd grüne und blaue Ballschönheiten auf das Parkett führt, muss sich das rote Mauerblümchen in die Rolle fügen, die der Wiener Volksmund mit der Leidensform "ang'lahnt" umschreibt.

Es bringt ja nichts, sich zu grämen. Also versucht Gusenbauer, das Los der SPÖ schönzureden: Schüssel habe die Gespräche abgebrochen, weil ihn die Prinzipientreue, mit der die SPÖ ihre Positionen vertrete, letztlich teuer zu stehen gekommen wäre. Das mag möglicherweise sogar stimmen - abgesehen davon, dass die ÖVP Sturheit nennt, was bei der SPÖ Konsequenz heißt, und diese dafür verantwortlich macht, dass aus den Sondierungen eben keine Regierungsverhandlungen wurden. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass die SPÖ aus dem Spiel um die Regierungsbildung ist. Vorerst zumindest.

Es ist sehr gut möglich, dass sie es auch bleibt und die ÖVP zur kleinen grünen oder blauen Variante greift. Genau auf diesen Fall bereitet Gusenbauer seine Partei offenbar argumentativ vor: Um nichts in der Welt wollen die Sozialdemokraten als die übrig bleiben, die den Verhandlungstisch als Erste verlassen und Schwarz-Rot unmöglich gemacht haben. Ihre Kritik an den Zusatzrunden, die Schüssel auf der Suche nach seiner Regierung läuft, ist daher eher rhetorisch gemeint. Mit jedem Tag, der auf diese Weise vergeht, wächst der Unmut über seine leeren politischen Kilometer. Und mit jedem wird es für die ÖVP schwieriger, der SPÖ die Verantwortung dafür zuzuschieben, dass ihr Walzerkönig sich für keine der drei potenziellen Ballköniginnen entscheiden kann. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2003)

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