Eurofälscher kommen langsam auf Touren

5. Februar 2003, 19:34
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Wien ist Haupt-Umschlagplatz von Euro-Blüten in Österreich - zwar waren weniger Blüten im Umlauf doch die Tendenz ist steigend

Wien - Die Umstellung auf das Eurobargeld fiel offensichtlich auch den Geldfälschern schwer. Sie haben sich der neuen Situation aber rasch angepasst, in den vergangenen vier Monaten stieg die Zahl der Blüten wieder an. Auch die Qualität verbessert sich ständig, berichtete das Bundeskriminalamt (BK) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Insgesamt 5068 Stück selbst gemachter Euro wurden österreichweit im Jahr 2002 gefunden. Im Jahr davor waren es 11.711 gefälschte Banknoten diverser Währungen, die sichergestellt wurden - rechnerisch hat sich die Zahl der Blüten also halbiert. Im europäischen Vergleich ist der österreichische Wert dennoch recht hoch: Laut Europäischer Zentralbank wurden im Jahr 2002 167.118 Falsifikate entdeckt, was nur ein Viertel des 2001er-Wertes bedeutet.

Fälscherwerkstätten

Die vorwiegend auf dem Balkan, in der Türkei und in Litauen beheimateten Fälscherwerkstätten kommen aber langsam auf Touren, wie zwei aktuelle Fahndungserfolge beweisen. In einer internationalen Kooperation konnte die Salzburger Exekutive einen Falschgeldring sprengen, der die Blüten in Bulgarien herstellen ließ und in Wien, Salzburg und Bayern unter das Volk brachte. In der bulgarischen Zentrale der 40-köpfigen Bande fanden sich falsche Scheine im Wert von drei Millionen Euro.

Auch die Zollwache kann einen Erfolg verbuchen. Bei der Routinekontrolle eines Linienbusses aus Serbien und Montenegro entdeckten Beamte Ende Jänner auf der Ostautobahn A4 einen Falschgeldkurier. Wie Erwin Gabriel von der Zollwache berichtet, hatte ein 38-Jähriger Bargeld im Wert von 100.000 Euro in Babynahrungspackungen versteckt.

Rund ein Drittel der über 5000 Blüten hat die Exekutive entdeckt, bevor sie in Umlauf kamen. Der Rest fiel erst bei den Banken auf - "der Einzelhandel hat den überwiegenden Teil der Fälschungen nicht erkannt", bedauert Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt. Durch Kooperationen mit den Unternehmen soll dieses Problem behoben werden.

50- und 100-Euro-Scheine sind besonders gefährdet

Am liebsten schlagen die Blütenverteiler in den Geschäften zu den Stoßzeiten zu, die bevorzugten Fälschungen sind laut BK-Statistik 50- und 100-Euro-Scheine. Besonders gefährdet, einen Eigenbaueuro zu bekommen, sind Läden im Großraum Wien. Eine Frage blieb bei der Vorstellung der Zahlen übrigens unbeantwortet: wo jene drei Menschen beheimatet sind, die 300-Euro-Noten angenommen haben. (moe, DER STANDARD Printausgabe 6.2.2003)

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