"Ein Krieg führt zu einer Tragödie"

5. Februar 2003, 17:37
posten

Früherer UN-Hilfsprogrammleiter Sponeck im Irak befürchtet Hungertote

Der frühere Leiter des UN-Hilfsprogramms im Irak, der Deutsche Hans von Sponeck, befürchtet im Falle eines Krieges Hungertote im Land. "Die Versorgungslage ist schon jetzt prekär. Es hapert am Nötigsten. Ein Krieg wird zu einer Tragödie führen, vor allem, wenn er länger als zwei Wochen dauert."

Sponeck, gerade von einer zehntägigen Irakreise zurückgekehrt, verweist im Gespräch mit dem Standard darauf, dass 60 Prozent der Bevölkerung auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen seien, an denen sich auch die irakische Regierung beteilige. Im Kriegsfall fielen diese Lieferungen aus. "Man kann sich vorstellen, was das heißt."

Die Auswirkungen wären viel dramatischer als im ersten Golfkrieg, meint der Diplomat. "Die Bevölkerung war damals nicht in so einem unglaublich schlechten gesundheitlichen Zustand." Nur Wohlhabende könnten - begrenzt - durchhalten.

Der 63-jährige Diplomat hat im Irak Krankenhäuser besucht. "Es fehlt an dringend benötigten Arzneimitteln, es gibt keine Schmerzmittel wie Morphium mehr." Außerdem würde die ohnehin labile und unzureichende Strom- und Wasserversorgung im Kriegsfall weit gehend zusammenbrechen. "Die Leidtragenden sind die normalen Menschen, nicht ein Diktator."

Die "so genannten Beweise der USA" sind für Sponeck "verzweifelte Versuche, die zweifelnde Öffentlichkeit zu überzeugen". Er hoffe immer noch, dass es "eine friedliche Lösung gibt, die beiden Seiten die Möglichkeit bietet, das Gesicht zu wahren". Die Entscheidung Krieg oder nicht Krieg gehöre in den UN-Sicherheitsrat und nicht ins Weiße Haus oder in die Downing Street Nummer 10. Er habe mit Waffeninspektoren gesprochen. "Ich selbst glaube nicht, dass der Irak heute eine unmittelbare Gefahr darstellt. Die eigentliche Gefahr sind die Wissenschafter." Der Irak müsse aber zeigen, dass er bereit sei, alles offen zu legen.

Sponeck trat 2000 nach 17 Monaten als Leiter des UN-Hilfsprogramms im Irak aus Protest gegen die Sanktionen zurück. "Als nützlicher Idiot des Irak dargestellt zu werden, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt." (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2003)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hans von Sponeck

Share if you care.