Frühe Suche nach politischen Wahlverwandtschaften

5. Februar 2003, 17:29
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VP-Aktion "Grüne Welle" lotete Schwarz-Grün schon in 80ern aus

Wien - Ein Baum. Eine strahlende Sonne mit lachendem Gesicht. Eine symbolische Welle. Darunter der Schriftzug "Aktion ,Grüne Welle‘": Unter einem nachgerade idyllischen Logo suchte eine Gruppe von ÖVP-Denkern - darunter der jetzige Umweltminister und damalige Studienassistent an der Linzer Uni, Wilhelm Molterer, sowie Verkehrssprecher Helmut Kuckacka, damals Landesparteisekretär - schon Anfang der 80er-Jahre "Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ÖVP-Grundsätzen und ,grünen‘ Grundsätzen".

Im Diskussionspapier der ÖVP Oberösterreich, das dem Standard vorliegt, heißt es: "Die Auseinandersetzung mit den Grünen ist gerade für die ÖVP wichtig und interessant, weil ein großer Teil des grünen Gedankenguts in der geistigen Tradition der ÖVP gut verankert ist. Diese Verwandtschaften gilt es aufzuzeigen."

"Besonders eindeutige" Gemeinsamkeiten mit den Grünen identifizierte der ÖVP-Kreis damals etwa bei der "Unterstützung des Einzelnen durch die Gemeinschaft, weil der Grundsatz der Dezentralisierung sowohl für die ÖVP wie in den Programmen der Grünen einen hohen Stellenwert hat". Wohingegen "sozialistischen Vorstellungen von vornherein eher zentralistische Lösungen näher liegen". Schwarz-grüne Unvereinbarkeit gebe es, wo "Dezentralisierung mit Flucht in die Idylle verwechselt wird".

Just bei der "konservativen Dimension" - "Gutes bewahren, Bewährtes erhalten, Natur nachhaltig gebrauchen" - sahen die ÖVP-Denker "stark ausgeprägte" Gemeinsamkeiten mit der Öko-Partei. Inkompatibel seien "extrem konservative oder reaktionäre Grüne", die meinten, "die Natur gäbe vor, was richtig und gut ist". Die "liberale Skepsis" der Schwarzen decke sich indes mit "vielen Grünen". (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2003)

Von Lisa Nimmervoll
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