RAF-Terroristin Andrea Klump erneut unter Anklage

6. Februar 2003, 12:07
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Sprengstoffanschlag von 1991 auf einen mit russischen Juden besetzten Reisebus wird ihr angelastet

Karlsruhe - Die bereits wegen linksterroristischer Anschläge verurteilte Andrea Klump soll weitere Straftaten begangen haben. Dem mutmaßlichen früheren Mitglied der deutschen linksterroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) wird der Sprengstoffanschlag auf einen mit russischen Juden besetzten Reisebus in Budapest im Jahr 1991 zur Last gelegt, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch bestätigte.

Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe eröffnete gegen die 45-jährige Klump am Mittwoch auf Antrag der Bundesanwaltschaft den Haftbefehl wegen versuchten Mordes in 28 Fällen. Klump soll den Anschlag im Auftrag der palästinensischen Bewegung zur Befreiung Jerusalems verübt haben, bei dem zwei ungarische Polizisten und zwei Businsassen verletzt wurden.

DNA-Analysen erhärten Verdachtmomente

Der Tatvorwurf habe erst jetzt durch DNA-Analysen erhärtet werden können, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Katrin Frauke Scheuten, auf Anfrage. Mit der Anklageerhebung sei bis Juni 2003 zu rechnen. Klumps Verteidiger, der Frankfurter Anwalt Wolfgang Kronauer, teilte mit, dass seine Mandantin jede Beteiligung an der Planung, Vorbereitung oder Durchführung des Anschlags bestreite.

Klump verbüßt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main eine neunjährige Freiheitsstrafe. Sie war als steckbrieflich gesuchtes RAF-Mitglied im Jahr 1999 in Wien verhaftet worden. Bei der Festnahme wurde ihr Begleiter Horst Ludwig Meyer, der eine Waffe zog, von der Polizei erschossen.

Letzte Verurteilung im Mai 2001

Nach der Auslieferung wurde Klump am 15. Mai 2001 vom Oberlandesgericht Stuttgart wegen eines misslungenen Sprengstoffanschlags auf einen US-Militärstützpunkt im spanischen Rota im Jahr 1988 verurteilt. Sie wurde des versuchten Mordes in zwei Fällen, der Geiselnahme und des erpresserischen Menschenraubes für schuldig befunden. Der Vorwurf der RAF-Mitgliedschaft wurde im Prozess fallen gelassen, zumal er für das Strafmaß unerheblich war. (APA/AP)

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    Andrea Klumpe

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