NASA: Es war nicht die Schaumstoff-Isolierung

7. Februar 2003, 10:28
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Dennoch wird jede mögliche Theorie als Ursache des Absturzes in Betracht gezogen - die letzten Sekunden der Raumfähre sollen rekonstruiert werden

Houston - Die US-Weltraumbehörde NASA hat ihre bisherige Theorie zu den Ursachen der "Columbia"-Katastrophe weitgehend verworfen. Es sei nicht plausibel, dass ein Teil der Schaumstoff-Isolierung beim Start die Tragfläche der Raumfähre derartig stark beschädigt haben könnte, erklärte Ron Dittemore, der Direktor des Raumfähren-Programms der NASA.

"Es muss einen anderen Grund geben", sagte Dittemore am Mittwoch. Einen Tag später erklärte er vor Journalisten, dass ungeachtet der Zweifel diese Theorie dennoch weiter berücksichtigt werde.

Aufschluss erhofft sich die NASA von der Rekonstruktion der letzten Sekunden vor dem Auseinanderbrechen der "Columbia". Die Ingenieure versuchen fieberhaft, die Daten der letzten Sekunden wiederherzustellen. Die Signale waren so schwach, dass die Computer der Bodenkontrolle sie verwarfen. "Vielleicht helfen uns diese 32 Sekunden, den Ablauf der Ereignisse nachzuvollziehen", sagte Dittemore.

Bisherige These

Bisher konzentrierten sich die Ermittler auf die These, dass sich während des Starts am 16. Jänner ein etwa ein Kilogramm schweres Stück der Hartschaum-Isolierung des Außentanks gelöst hatte, das gegen die untere linke Tragfläche der "Columbia" geprallt war. Dadurch, so die Annahme, seien möglicherweise Kacheln des Hitzeschilds beschädigt worden, was beim Wiedereintritt der Raumfähre in die Erdatmosphäre am Samstag zu der Katastrophe geführt haben könnte. Die "Columbia" war kurz vor der Landung auseinander gebrochen und über Texas abgestürzt. Alle sieben AstronautInnen an Bord kamen ums Leben.

Alle Möglichkeiten in Betracht gezogen

Laut Dittemore zieht die NASA nun jede mögliche Theorie zu den Ursachen des Absturzes in Erwägung. "War es etwas, das nach dem Start passiert ist? War es etwas, das während des Wiedereintritts (in die Atmosphäre) passiert ist? Oder war es etwas, das während des Starts passiert ist und das wir nicht gesehen haben? All das sind Möglichkeiten", sagte Dittemore auf einer Pressekonferenz.

Ausgeschlossen wird auch nicht, dass der Orbiter von Weltraummüll getroffen wurde. Auch ein kleines Stück Raum-Müll, das den Hitzeschild des Shuttle ankratzt und beschädigt, könnte nach Auffassung der Ingenieure eine Kettenreaktion auslösen. Auch eine Explosion an Bord sei nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.

Fest zu stehen scheint, dass das Problem offenbar auf der linken Seite der Raumfähre lag. Dort registrierten die Sensoren vor dem Absturz einen ungewöhnlich starken Temperaturanstieg. Etwas an der linken Tragfläche - "wir wissen nicht, was" - habe den Luftwiderstand erhöht und die "Columbia" nach links gezogen. Der Autopilot versuchte vergeblich, die Stabilität der Raumfähre wiederherzustellen. Kurz bevor die letzten Funksignale die Bodenkontrollstation erreichten, sei klar gewesen, "dass wir die Schlacht verlieren", sagte Dittemore.

Trümmer

Wichtige Hinweise erhofft sich die NASA auch von der Untersuchung der Trümmerteile, die in den US-Staaten Texas und Louisiana geborgen wurden, darunter auch die Shuttle-Spitze. Die Suche wurde mittlerweile auf Kalifornien ausgedehnt. Die Raumfahrtbehörde hofft, in den vor der Katastrophe überflogenen Staaten abgerissene Hitzeschutzkacheln zu finden.

In dem gut sechzehn Kilometer breiten und fast 170 Kilometer langen "Trümmergürtel" zwischen Texas und Louisiana haben die Suchmannschaften bisher mehrere tausend Wrackteile gefunden. Am Dienstag war ein großes Stück des Triebwerks der "Columbia" entdeckt, einen Tag zuvor in der Nähe die Nase der Fähre gefunden worden. Bisher sind nach Angaben der NASA keine entscheidenden Trümmer gefunden worden, aber man setzt nun auch Hubschrauber und andere Flugzeuge zur Suche ein. (APA/AP/dpa)

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    Ron Dittemore, der Direktor des Raumfähren- Programms der NASA, zeigt eine Schaumstoff- Isolierung.

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