UNHCR rechnet mit bis zu 600.000 Flüchtlingen

5. Februar 2003, 15:46
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Auch IKRK und WFP bereiten sich auf Notfall vor

Genf - Das UN-Flüchtlingshilfswerk rechnet im Falle eines Irak-Krieges mit einem Flüchtlingsansturm von bis zu 600.000 Menschen. Dabei handle es sich um eine interne Zahl, um Planungen für die Nothilfe zu erleichtern, sagte UNHCR-Sprecher Rupert Colville am Mittwoch in Genf. Genauere Kalkulationen seien nicht möglich, weil niemand die geografische Ausdehnung und die Dauer eines möglichen Waffengangs einschätzen könne, betonte er. Das UNHCR rechne damit, dass eine große Zahl von Flüchtlingen wie beim letzten Golfkrieg in den Iran fliehen könnte, das über die längste gemeinsame Grenze mit dem Irak verfügt. Laut Colville hat das Flüchtlingshilfswerk bereits 19 Millionen Dollar (17,6 Mill. Euro) für Vorbereitungen für den Kriegsfall ausgegeben. Ein Spendenaufruf zur Einrichtung eines Hilfsfonds habe bisher kein nennenswertes Echo gezeigt.

Das Welternährungsprogramm WFP hat nach eigenen Angaben bereits Nahrungsmittel in der Türkei, im Iran, in Jordanien und Syrien gelagert, um im Notfall 900.000 Menschen für eine Dauer von drei Monaten helfen zu können. Im schlimmsten Fall müssten die UN-Hilfsorganisationen zwischen fünf und zehn Millionen Menschen in der Region Unterstützung leisten, schätzte WFP-Sprecherin Christiane Berthiaume. Bereits jetzt hingen 60 Prozent der irakischen Bevölkerung vom UN-Programm "Öl gegen Lebensmittel" ab, das im Kriegsfall unterbrochen würde, betonte sie.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) könnte in einer ersten Phase eines Militäreinsatzes im Irak 100.000 Binnenflüchtlingen Hilfe leisten. Später könne die Hilfe auf 400.000 ausgedehnt werden, erklärte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger. Bisher ist die Organisation mit 35 ausländischen und 350 irakischen Angestellten im Irak vertreten. (APA)

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