Berufstätige Mütter machen Kinder krank

26. Februar 2008, 07:00
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Andreas Khol stellt in einem "Presse"- Kommentar den Zusammenhang von weiblicher "Selbst­ver­wirklichung" und psychisch auffälligen Kindern her - Zitrone

Mit einem Kommentar unter dem Titel "Ein Fünftel der Kinder psychisch krank?" richtete Andreas Khol in der "Presse" (23. Februar 2008) sein Augenmerk auf das kürzlich erschienene Buch von Sibylle Hamann und Eva Linsinger- siehe "Die öden Preise in der Bubenlotterie". Nicht gerade Rosen streuend, aber dennoch neutral, gesteht er manchen ihrer Vorschläge durchaus "Hand und Fuß" zu - wie beispielsweise jenen: mehr Männer ins Lehrpersonal der Kindergärten und Volksschulen, mehr Männer in die Elternkarenz, Flexibilität am Arbeitsplatz, autofreie Wohnviertel, ein handhabbares Modell gegen die Schwarzarbeit im Haushalt.

Dies sei ja alles zu unterstreichen, gibt sich Khol ungewöhnlich zahm, bevor er zum großen ABER ausholt. Denn enttäuscht sei er über die Propagierung eines "einzig 'richtigen' Lebensentwurfs, der wie ein roter Faden das gesamte Werk durchzieht: Der Mensch wird nur durch Erwerbsarbeit zum Menschen. Arbeit in der Familie ist minderwertig und ‚entmenscht'", kritisiert er.

An dieser Stelle müsse er wirklich Einspruch erheben. Denn erstens gäbe es "viele und immer mehr Menschen" - er schreibt Menschen, nicht Frauen - die ihre Berufung und ihr Glück zu Hause bei Herd und Kindern sehen, und bereit seien "Opfer zu bringen", und zweitens - und jetzt kommt's - hätten Psychotherapeuten (!) Alarm geschlagen, dass zwanzig Prozent der Kinder psychisch krank seien. "Einer der Gründe: die traditionelle Familienstruktur habe sich ersatzlos aufgelöst", behauptet Khol, ohne irgendeine Quelle zu nennen.

Nun ist ja die ideologische Ausrichtung des Christdemokraten bestens bekannt, insbesondere sein Insistieren auf überkommenen Geschlechterrollen, die den Mann als Ernährer und die Frau als Familienmutter favorisieren. Diese Meinung sei ihm auch unbenommen.

Kritisch wird es allerdings dann, wenn er Konzepte um neue strukturelle Möglichkeiten für Frauen und Männer, die Wahlfreiheit schaffen wollen - denn eine solche besteht bis dato nicht wirklich - mit einer einzigen Verknüpfung zunichte zu machen versucht, die einerseits lächerlich ist und andererseits schon immer aufs Tablett gebracht worden ist, um Müttern ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. Gemäß dem Motto: wenn Kinder in irgendeiner Form psychisch auffällige Reaktionen zeigen, liegt es mit Sicherheit an ihren Mamas, die sich "selbst verwirklichen" und nicht zu "Opfern" bereit sind. Und sei es auch, dass sie der Existenz sichernde Gelderwerb dazu nötigt.

Für diese uralte und haltlose Schuldzuweisung erntet Andreas Khol saure Früchte.
(Dagmar Buchta/dieStandard.at 26.02.2008)

  • Die Zitrone geht diesmal an Andreas Khol.
    herwig prammer
    Die Zitrone geht diesmal an Andreas Khol.
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