Hilfe für die ärmsten Frauen Kapstadts

24. Februar 2008, 17:00
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Das südafrikanische Frauenprojekt WIN, das Frauen wieder Selbstwert gibt, wird großteils von österreichischen SpenderInnen finanziert

"Ich habe mich auf einmal so wertvoll gefühlt. Jemand kümmerte sich um mich." 37 Jahre ist die Südafrikanerin Nidine Fortuin alt, viele Jahre davon hat sie auf den Straßen Kapstadts verbracht - bis sie Hilfe bei WIN gesucht hat. Die drittgrößte Stadt Südafrikas gilt als reiche Stadt, der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Weniger bekannt ist die große Armut vieler Menschen in der Hafenstadt. TouristInnen werden zumeist am Elend der Slums vorbeigeschleust - auch wenn sich diese zum Teil inmitten der Hochhäuser befinden, wie Hans Gattringer, Projektbetreuer bei Missio Austria, im Gespräch mit dieStandard.at erläutert.

Viele der Frauen, die auf der Straße leben, sind Mütter. Viele wurden von ihren Familien verstoßen, haben schlimme Erlebnisse hinter sich und wohnen nun unter Brücken. Sie leben in ständiger Angst, haben zum Teil unterernährte Kinder, keine Bildung, keine Perspektive und kein Selbstwertgefühl. Hier hat eine Irländerin, Schwester Margo Mulvey, vor zwölf Jahren angesetzt und das Hilfsprojekt WIN gestartet.

Frauenprojekt

Indessen ist "Women in Need" eine eigene Frauenorganisation, geleitet von der engagierten Südafrikanerin Ronni Mehl. Ziel ist es, Frauen zu helfen - für sie und mit ihnen. Ein kleines Team und viele Freiwillige, welche zum Teil selbst auf der Straße gelebt haben, betreuen und erreichen je nach Programm an die 300 bis 500 Menschen, in Zusammenarbeit mit "Catholic Welfare & Development" (CWD) und Missio Austria. Es geht um Schutz und Hoffnung, aber auch um die Deckung elementarer menschlicher Bedürfnisse wie Nahrung und Kleidung. WIN ist eine "soziale Marktlücke" in Kapstadt, erläutert Gattringer. Es habe zuvor nichts Vergleichbares gegeben.

Kleinkinder werden betreut, können im Kindergarten spielen und basteln und werden auf die Schule vorbereitet. Mütter können in Kursen Selbstwertgefühl finden, lernen, Konflikte zu bewältigen, mehr über Kinderbetreuung und richtige Ernährung erfahren. Die Hilfe geschieht völlig unabhängig von Herkunft und Religion, wird bei Missio betont, auch wenn WIN großteils auf katholischen Strukturen basiert und zum Teil die Infrastruktur der Pfarren nutzt.

Finanzierung aus österreichischen Spenden

Um Müttern und Kindern zu helfen und "lokale Gemeinschaften mit viel Selbsthilfepotenzial zu fördern", so Gattringer, wird die Frauenorganisation WIN seit 2001 von Missio Austria unterstützt. Die Gelder, welche WIN aus Österreich bekommt (10.000 bis 15.000 Euro pro Jahr), würden ausschließlich aus Spenden stammen, nicht aus öffentlichen Entwicklungsgeldern, selten von Großspendern. Neben Mailings an einen größeren Bezugskreis (3-4 Mal pro Jahr) seien es vor allem die LeserInnen der Missio-Zeitschrift "Alle Welt", welche das Frauenprojekt in Kapstadt unterstützen.

WIN wird demnach großteils aus Österreich finanziert. Hinzu kommen noch Spenden von irländischen Privatpersonen sowie einer südafrikanischen Supermarktkette. Die Akquirierung von Geldern im eigenen Land wird verstärkt.

Ermächtigung

Um die Frauen auf der Straße zu erreichen, gehen die Projektmitarbeiterinnen zu ihnen und sprechen sie direkt an. Nehmen diese das Hilfsangebot an, erhalten sie Rat, Kleidung, Essen und können auch gerne täglich zu den WIN-Standorten kommen. Wenn sie einen Kurs besuchen, können sie ihre kleinen Kinder in der Tagesheimstätte versorgt wissen. So finden viele Frauen und ihre Kinder neue Perspektiven und eine neue Zukunft abseits von Gewalt, Ausbeutung und Kriminalität. Der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit unter den Frauen ist groß; sie ist über die Jahre gewachsen, erzählt der Projektbetreuer, der WIN in den vergangenen Jahren dreimal besucht hat.

Manche der Frauen landen im Gefängnis (meist im Zusammenhang mit Gewalt) und werden dort vom WIN-Besuchsdienst betreut. Die Gefahr von Drogenabhängigkeit und Alkoholismus ist gegeben, so Gattringer, die Frauen setzen dem durch ihre Vernetzung aber einen starken Widerstand entgegen und unterstützen sich gegenseitig. Den Müttern wird Selbstwert und Hoffnung gegeben, sie werden ermutigt, ihr Leben zu ändern. Zu den wichtigsten Prinzipien des Frauenprojekts zählt, Kinder möglichst bei ihren auf der Straße lebenden Müttern zu belassen. Statt Traumatisierung (müssten die Kinder in ein Heim) wird versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden - für Mutter und Kind. So erfahren die Frauen vielfach zum ersten Mal in ihrem Leben Achtung und das Gefühl, willkommen zu sein. (Daniela Yeoh, dieStandard.at, 24. Februar 2008)

Links

Catholic Welfare & Development

Missio Austria

Spendenkonto: PSK 701 5500, ausgezeichnet mit dem österr. Spendengütesiegel.
(etwaige Überschüsse fließen in andere Hilfsprojekte, z.B. ein Frauenhaus in Bombay)

  • Willkommensgruß an einem WIN-Standort
    foto: hans gattringer
    Willkommensgruß an einem WIN-Standort
  • Eine muslimische Familie in Kapstadt, die im Rahmen von WIN betreut wird
    foto: hans gattringer
    Eine muslimische Familie in Kapstadt, die im Rahmen von WIN betreut wird
  • Artikelbild
    foto: hans gattringer
  • Ein sehr wichtiges Prinzip der Ermächtigung zur Selbsthilfe ist, Kinder möglichst bei ihren Müttern zu lassen.
    foto: hans gattringer
    Ein sehr wichtiges Prinzip der Ermächtigung zur Selbsthilfe ist, Kinder möglichst bei ihren Müttern zu lassen.
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