Alte Voestler sollen länger arbeiten

5. Februar 2003, 17:37
1 Posting

Linzer Stahlkonzern braucht Schlüsselkräfte und startet Programm "Life"

Wien - Bereits jetzt ist fast ein Drittel der Voest-Belegschaft über 50 Jahre alt, der 13.000 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft drohen also Überalterung und Kostenexplosion. Um das Langfristziel "Linz 2010", das wie berichtet zwei Milliarden Euro an Investitionen in Expansion und Standort vorsieht, erreichen zu können, braucht es jährlich rund 200 zusätzliche Mitarbeiter. Da laut Arbeitsmarktservice bereits 2006 mehr als 160.000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen werden, ist es höchste Zeit, die Arbeitnehmer zu einem längeren Verbleiben im Unternehmen zu animieren und so Know-how-Verlust zu verhindern. Damit sollte auch das durchschnittliche Pensionsantrittsalter von derzeit 58 Jahren steigen.

"Life"

"Weil künftig immer jüngere Chefs mit immer mehr älteren Mitarbeitern zusammenarbeiten müssen", haben Vorstandschef Franz Struzl und Personalchef Heinz Rittenschober das Programm "Life" ins Leben gerufen:

  • Nach der "Formel 33" stehen jedem Mitarbeiter jährlich zwei Prozent seiner Arbeitszeit für Aus- und Weiterbildung zur Verfügung, und zwar in Form von Kursen, Seminaren, Zusatzqualifikationen am Arbeitsplatz und in anderen Fachabteilungen.

  • Die Altersgrenzen für den internen Aufstieg auf der Karriereleiter wurden ersatzlos gestrichen. "Geschäftsführer werden künftig auch über Fünfzigjährige sein", sagte der 60-jährige Struzl.

  • Verringerung der Nachtschichtarbeit generell und insbesondere für ältere Beschäftigte. Was nicht zwingend in der Nacht erledigt werden muss, geht auch am Tag - etwa Tätigkeiten an Hochöfen. Außerdem sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden, sonst würden die Voestler zu früh krank.

  • Ausbauen will die Voest ihre Position als größter Lehrherr Österreichs. Derzeit sind 750 Lehrlinge in 20 Lehrberufen in Ausbildung, davon 170 aus Drittunternehmen - eine Steigerung um 60 Prozent.

  • "Deutlich besser" soll die Frauenquote werden, die bei Arbeitern zwei und bei Angestellten 15 Prozent beträgt.

"Life" läuft für fünf bis zehn Jahre, kostet jährlich mindestens 360.000 Euro - ersetzt Produktivitätssteigerungen aber keineswegs, betonte Struzl. Die Personalkosten steigen jährlich durchschnittlich um 3,5 Prozent und seien durch Rationalisierungen voll zu kompensieren.

"Zweitbestes Jahr in der Geschichte"

Das "zweitbeste Jahr in der Geschichte" wird voraussichtlich am 31. März 2003 zu Ende gehen. Der Jahresumsatz dürfte von 3,35 auf 4,2 Mrd. Euro steigen, der Betriebserfolg (Ebit) deutlich über 200 Mio. € (zuvor 159,5 Mio. €) liegen. (dap, ung, DER STANDARD, Printausgabe 6.2.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Voest-Chef Struzl: "Wir müssen die Menschen motivieren, dem Unternehmen länger als ihre Vorgänger zu dienen."

Share if you care.