Heimische Banken stark "globalisiert"

5. Februar 2003, 14:13
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Bei RZB und Erste Bank stammt mehr als die Hälfte des Bilanzvolumens aus Auslands-Operationen - Weltweit unter Top-15

Wien/London - Die Akquisitionen der jüngsten Jahre haben zwei Großbanken aus Österreich, die RZB-Gruppe und die Erste Bank, in die Rangliste jener 15 Banken weltweit katapultiert, deren Bilanzsummen (Bankaktiva) heute zu mehr als 50 Prozent aus Operationen außerhalb des Heimatlandes stammen.

Das Financial-Times-Fachmagazin "The Banker" hat in seiner Februar-Ausgabe den "Globalisierungsgrad" im internationalen Bankensektor erhoben. Während andere internationale Großbanken, die in früheren Jahren führende Ränge der "Top-30-Global-Banks"-Liste eingenommen hatten, ihren Focus zum Teil wieder stärker auf den unmittelbaren Heimmarkt legten, haben RZB und Erste Bank ihre Expansion im zentral/osteuropäischen Markt fortgesetzt, mit Erfolgen auch nach Listenplätzen: Die RZB-Gruppe rangierte in der Kategorie "Assets Overseas" 2001/2002 auf Rang 11 (Vorjahr: 15), die Erste Bank stieg von Rang 24 auf den 15. Platz auf.

American Express Bank führt in Ranking

Zum Vergleich: In der Weltrangliste der größten Banken rangierte die Erste Bank zuletzt an 163. Stelle, die RZB-Gruppe auf Platz 203.

Angeführt wird das heurige Ranking zum "Globalisierungs-Grad" von der American Express Bank, deren Bilanzvolumen zuletzt schon zu 86,17 Prozent aus Übersee-Aktivitäten stammte, und die die im Jahr zuvor führende Arab Banking Corp. (83,50 Prozent) auf Platz drei verwies. Von den dritten auf den zweiten Platz nach vorn schon sich die Schweizer Großbank UBS (84,41 Prozent Auslands-Bilanzanteil). Den vierten Platz verteidigt hat der Schweizer UBS-Konkurrent Credit Suisse (79,6 Prozent).

Deutsche Bank aud Platz sechs

Weiter auf Platz sechs rangiert die Deutsche Bank, wenngleich ihre Assets außerhalb Deutschlands binnen Jahresfrist von 71,9 auf gut 66 Prozent zurück fielen, ein Effekt des Rückzugs aus nicht zu den Kernmärkten zählenden Regionen in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum und wieder stärkerem Fokus auf das Geschäft in Deutschland.

Große internationale Player wie die niederländische ABN Amro (3.400 Niederlassungen in 60 Ländern) oder die britische HSBC (7.000 Büros in 81 Ländern) rangieren heute auf Rang 7 (9) beziehungsweise 12 (11).

Citigroup fliegt aus Liste

Von den europäischen Instituten finden sich in der Liste von insgesamt 30 Banken, deren Aktiva zu mehr als 35 Prozent aus dem Ausland kommen, auch die großen spanischen Banken: Santander Central Hispano (Rang 16) sowie BBVA (Rang 21), die beide stark in Lateinamerika engagiert sind. Auch zwei irische Banken, Allied Irish, mit ihren Interessen in Polen und USA, sowie Anglo Irish mit Schwerpunkt-Aktivitäten in Großbritannien und anderen Teilen Europas, werden in der Global-Banks-Liste des Magazins angeführt, wobei Allied Irish von Platz 13 auf 14 rutschte, Anglo Irish aber fünf Plätze gut machte und an aktuell 22. Stelle rangiert.

Die größte Bank der Welt, die amerikanische Citigroup, flog ungeachtet der Akquisition der mexikanischen Banamex-Gruppe und ihrer Präsenz in mehr als 100 Staaten der Welt aus der Top-30-Liste, nimmt nach einem Rückgang des "Auslandsanteils" an den Bankaktiven von 40,95 auf 34,2 Prozent binnen zweier Jahre heute weltweit den 33. Platz ein, was nach Angaben des Magazins die immense Bedeutung des US-Marktes für diese Gruppe widerspiegelt.

Ebenfalls zwischen 30 und 35 Prozent Bankaktiva außerhalb des Stammsitzes weisen nach Angaben des Magazins europäische Bankengrößen wie IntesaBCI (Italien), Royal Bank of Scotland (Schottland), Societe Generale (Frankreich) und die bayerische HypoVereinsbank (HVB) auf. Die Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) - Subkonzern der HVB für Österreich und Osteuropa - scheint damit nicht gesondert auf.(APA)

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