Von A wie Afghanistan bis V wie Vietnam

5. Februar 2003, 12:50
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"Weltpolizist" USA: Militärinterventionen seit dem Zweiten Weltkrieg

Washington/Wien - Die USA haben ihre Streitkräfte außer bei internationalen Missionen wiederholt im Alleingang in anderen Ländern eingesetzt. Amerikanische Militärinterventionen gab es seit dem Zweiten Weltkrieg in fast allen Kontinenten, und oftmals - wie in Vietnam oder Somalia - endete das US-Engagement auch mit Fehlschlägen. Die wichtigsten US-Interventionen mit oder ohne UNO-Mandat nach 1945:

1950-53 Korea-Krieg: Multinationale UNO-Truppen greifen unter dem Kommando und der Ausschlag gebenden Beteiligung der USA in Südkorea ein. Die Nordkoreaner werden von einer eine Million Mann starken chinesischen "Freiwilligen"-Armee unterstützt.

1954 Guatemala: Die USA stürzen den guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz, dessen Bodenreform sich gegen die Interessen der amerikanische "United Fruit Company" richtete.

1961-62 Kuba: Nach der gescheiterten Schweinebucht-Invasion einer in den USA trainierten Exilkubaner-Truppe erzwingen die USA mit einer Seeblockade den Abzug sowjetischer Raketen von der Insel.

1964-73 Vietnam-Krieg: Die USA greifen ein, um ein pro-westliches Regime in Südvietnam gegen kommunistische Aufständische (Vietcong) zu unterstützen. Massiver Angriff auf Nordvietnam. Die US-Armee setzt das gefährliche Entlaubungsmittel "Agent Orange" (Ökozid) ein. Über 72 Millionen Liter giftige Herbizide werden versprüht. Zu den Langzeitfolgen gehören schwere Missbildungen bei Neugeborenen und hohe Krebsraten. Der Krieg wird auf Laos und Kambodscha ausgeweitet. 1970 wird in Kambodscha der neutralistische Staatschef Prinz Norodom Sihanouk auf Betreiben des US-Geheimdienstes CIA gestürzt. Die Intervention endet mit einer Niederlage der USA, die 53.000 gefallene Soldaten beklagen müssen.

1965-66 Dominikanische Republik: Nach dem Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten Juan Bosch durch eine pro-amerikanische Junta kommt es zu einem Volksaufstand, den US-Marine-Infanteristen niederschlagen. Eine OAS-"Friedenstruppe" unter US-Kommando wird in dem Land stationiert.

1980 Iran: Ein US-Kommando-Unternehmen zur Befreiung von 52 amerikanischen Geiseln im Iran scheitert wegen technischer Pannen. Acht Tote sind zu beklagen.

1982-84 Libanon: Als Teil einer multinationalen Friedenstruppe greifen US-Marine-Infanteristen in den seit 1975 tobenden libanesischen Bürgerkrieg ein, müssen sich aber nach einem verheerenden Anschlag auf die Beiruter US-Botschaft zurückziehen.

1983 Grenada: Der Sturz des linksgerichteten Premiers Maurice Bishop liefert den USA den Vorwand für ein Eingreifen zum Schutz der eigenen Staatsangehörigen.

1986 Libyen: Mit Bombenangriffen auf Tripolis und Bengasi reagieren die USA auf Terroranschläge, für die Machthaber Muammar Gaddafi verantwortlich gemacht wird.

1989 Panama: Die USA greifen mit 20.000 Mann in Panama ein und nehmen ihren früheren Verbündeten, Militärmachthaber General Manuel Antonio Noriega, gefangen, dem in Miami wegen Rauschgifthandels der Prozess gemacht wird. 3000 Zivilisten kommen bei der Operation ums Leben.

1991 Irak: In der "Operation Wüstensturm" vertreibt eine von den USA geführte multinationale Allianz irakische Truppen aus dem benachbarten Emirat Kuwait, das der Irak 1990 überfallen hatte.

1993 Irak: US-Flugzeuge bombardieren in den seit dem Golfkrieg 1991 von den USA und Großbritannien errichteten "Flugverbotszonen" und in Bagdad mehrfach mit unbemannten Marschflugkörpern militärische Ziele. Angriffe richteten sich nach Pentagon-Angaben u.a. gegen eine Geheimdienstzentrale, eine Nuklearanlage sowie Radaranlagen. US-amerikanische, britische (anfangs auch französische) Flugzeuge führten seit 1991 in vom Irak nicht anerkannten Zonen im Norden und Süden des Landes, die mehrheitlich von Kurden bzw. Schiiten bewohnt sind, Kontrollflüge durch.

1992-94 Somalia: US-Soldaten wollen als Teil von UNO-Truppen blutige Gefechte in Somalia beenden, um damit der hungerleidenden Bevölkerung wieder Nahrungsmittel zukommen lassen zu können. Die Militäraktion einer US-Elitetruppe im Rahmen der UNO-Hilfsmission "Restore Hope" gegen das Hauptquartier des Kriegsherrn General Mohammed Farah Aideed endet mit einem Debakel.

1994-95 Bosnien-Herzegowina: Auf Druck der USA und Frankreichs richtet die NATO Anfang Februar 1994 an serbische Einheiten das Ultimatum, binnen zehn Tagen ihre schweren Waffen aus der Umgebung von Sarajewo abzuziehen. US-Kampfflugzeuge schießen serbische Kampfflugzeuge ab, die das UNO-Flugverbot missachtet haben, und bombardieren die von Serben belagerten bosnischen Städte Banja Luka und Gorazde.

1994-96 Haiti: US-Truppen sichern die Rückkehr des demokratisch gewählten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide aus dem Exil.

1996 Irak: US-Streitkräfte bombardieren Ziele im Irak mit Marschflugkörpern, um damit auf eine Offensive der irakischen Armee in den unter alliiertem Schutz stehenden kurdischen Gebieten im Norden des Landes zu reagieren.

1998 Sudan und Nordafghanistan: Nach verheerenden Terroranschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania vom 7. August, die über 250 Menschenleben gefordert haben, folgt ein US-Bombardement mit Cruise Missiles auf ein Camp des Terrorführers Osama Bin Laden in Afghanistan und eine angebliche Chemiewaffenfabrik im Sudan, bei der es sich in Wirklichkeit um ein pharmazeutisches Unternehmen gehandelt hat.

1999 Jugoslawien: In der ersten von der NATO gemeinsam verantworteten Militäraktion wird Belgrad mit Bombardements zum Einlenken im Kosovo-Konflikt gezwungen.

2001 Afghanistan: Nach den Terroranschlägen vom 11. September beginnen die USA mit weltweiter Unterstützung einen "Krieg gegen den internationalen Terrorismus". US-Luftangriffe in Afghanistan führen zur Vertreibung des Taliban-Regimes und zur Zerstörung von Lagern der Terrororganisation Al Kaida von Osama bin Laden.

Irak: Seit Ende 2002 marschieren US-Truppen in der Region um den Irak auf. Gemeinsam mit den Briten bereiten die USA eine Militäraktion gegen das Regime Saddam Husseins vor, das sie beschuldigen, Massenvernichtungswaffen zu produzieren. Die US-Truppenpräsenz wird gegenwärtig auf insgesamt 100.000 Mann geschätzt, sie soll bis auf 180.000 Mann verstärkt werden. Großbritannien will insgesamt 35.000 Mann an den Golf entsenden. Die USA wollen dem UNO-Sicherheitsrat Beweise über das irakische Waffenpotenzial vorlegen. US-Präsident George W. Bush kündigte an, den Irak notfalls ohne UNO-Mandat und im Alleingang anzugreifen.(APA)

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