Ephedra auf der Abschussliste

5. Februar 2003, 12:16
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US-Forscher warnen vor synthetisch hergestellten Pflanzenextrakten

Washington/London - Amerikanische Forscher warnen vor dem Gebrauch des Pflanzenextrakts Ephedra. Der Wirkstoff findet sich in vielen Abmagerungspillen und gilt als Energie-Booster, berichtet BBC-Online am Dienstag. Die Wissenschaftler wollen den Stoff am liebsten überhaupt vom Markt nehmen, da die Nebenwirkungen von Ephedra-Präparaten hundert Mal größer sind als die anderer Heilstoffe.

Nach Angaben der Forscher vom San Francisco VA Medical Center sind nach der Einnahme von Ephedra Nebenwirkungen wie Beklemmungsgefühle, Schlafstörungen, erhöhter Blutdruck bis hin zu tödlichen Herzinfarkten aufgetreten. Die Forscher fordern von der US-Food & Drug Administration FDA entweder eine bessere Kontrolle oder ein generelles Verbot des Medikaments. Nach den Berichten von BBC erwägen nun auch die Briten Schritte gegen Medikamente zu ergreifen, die den Wirkstoff beinhalten.

Gefährlicher als andere Abmagerungspillen

Nach Erkenntnissen der American Association of Poison Control Centers, einer unabhängigen Kontrolleinrichtung, die in erster Linie Informationen aus der Öffentlichkeit enthält, soll Ephedra sogar 200 Mal gefährlicher sein als vergleichbare Präparate zum Abnehmen. Nach Angaben von BBC machen Ephedra-Präparate aber nur ein Prozent der gesamten Phytopharmaka aus. Aber 62 Prozent aller Beschwerden oder Berichte betreffen Präparate, die diesen Wirkstoff enthalten. "Das Argument war immer, dass Ephedra deshalb unbedenklich sei, weil es natürlich ist und seit Jahrtausenden verwendet wird. Wir haben aber jetzt bewiesen, dass es hundert Mal gefährlicher ist als andere Wirkstoffe", so Forschungsleiter Stephen Bent. In die gleiche Kerbe schlägt der Co-Autor Michael Shlipak. "Unsere Studie zeigt, dass Ephedra unsicher ist und nicht ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden darf", so der Forscher.

Nahrungsergänzungsmittel

Ephedra ist der Wirkstoff der Pflanze Meerträubel (Ephedra sinica). "Diese wird seit Jahrtausenden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) unter dem Namen Ma-Haung verwendet", so Andreas Bayer, Leiter der TCM-Akademie in Wien. Der wesentliche Unterschied zu den Ephedra-Präparaten, die als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden, und der Anwendung in der TCM liege darin, dass sich die TCM nur auf echte pflanzlich hergestellte Präparate verlässt, während eine Vielzahl der angebotenen Arzneimittel synthetisch aus Konzentraten hergestellt sind.

"Es gibt wirklich Fälle, in denen Patienten an den Präparaten gestorben sind. Diese haben täglich zwischen 150 und dreihundert Milligramm Ephedrin zu sich genommen. In der TCM besteht die Dosis aus maximal 27 Milligramm pro Woche", so Bayer. Bayer kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Tendenz in der Branche, verschiedene Wirkstoffe miteinander zu mischen. "Eine Mischung von Ephedrin mit Koffein wirkt zum Beispiel fatal", so der Experte. Bayer fordert in diesem Zusammenhang eine bessere Regulierung von pflanzlichen Wirkstoffen zur Sicherheit der Patienten. "Sanfte Medizin hat auch Grenzen. Diese werden durch falsche Dosierungen und unpassende Rezepturen häufig überschritten", erklärt der Mediziner. (pte)

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