"Zukunft liegt im Geschlechter- Ministerium"

28. Februar 2003, 21:46
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Neue "Männerstudie" des Sozialministeriums plädiert auf Organisationsformen, die Synergien zwischen Männer- und Frauenentwicklung fördern

Wien - Die Mehrheit der österreichischen Männer wird "moderner", lehnt traditionelle Rollenbestimmungen ab und widmet sich mehr der Familie. Dies besagt eine neue Männerstudie, die der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner im Auftrag des Männerbüros des Sozialministeriums erstellt hat.

Aber: Auch moderne Männer bleiben bei bestimmten altbekannten Rollenklischees - er wäscht das Auto, sie bügelt. Daraus schließt Zulehner die Frage, ob die Veränderbarkeit der Geschlechterrollen nicht auf erkennbare Grenzen stößt.

Geschlechter- statt Frauenministerium

Ausführlich präsentiert werden diese Ergebnisse in der jüngsten Ausgabe der österreichischen Frauenzeitschrift "Welt der Frau". Eleonore Bayer, Pressereferentin der Katholischen Frauenbewegung, zitiert in einer Aussendung am Mittwoch den Studienautor, wonach die neue Entwicklung durch ein Geschlechterministerium gefördert werden könnte. "Die Zukunft liegt in einer Organisationsform, wo die Synergie zwischen Männer- und Frauenentwicklung gesucht wird", meint Zulehner. Ein reines Frauenministerium hält er für nicht mehr zeitgemäß.

Die meisten Männer sind "in Entwicklung"

In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil der "modernen" Männer in Österreich von 14 auf 23 Prozent gestiegen, jener der "traditionellen", die sich ganz auf den Beruf konzentrieren und Familienarbeit als Angelegenheit der Frau betrachten, von 24 auf 17 Prozent gesunken. Auch die pragmatischen Männer, die stark berufsorientiert sind, zugleich aber auch die Berufstätigkeit der Frau schätzten, würden weniger: ihr Anteil sei von 23 Prozent im Jahr 1992 auf 18 Prozent gesunken. Immer größer werde die Gruppe der Unbestimmten. 42 Prozent (1992: 39) hätten sich von den alten Rollenbildern zurückgezogen, die neuen jedoch noch nicht akzeptiert. "Die meisten Männer sind also in Entwicklung, formbar beziehungsweise auch unsicher", so Zulehner.

Zulehner warnt vor einer Veränderung der Geschlechterrollen, weil eine solche zu einer "psychischen Dauerüberforderung und einem latenten Gefühl der Unstimmigkeit führen könnte". Ob ihm die gegenwärtige Dauerüberforderung von Frauen ebenso am Herzen liegt, sei dahingestellt. Aufgabe der Politik sei es seiner Meinung nach, für beide Geschlechter Gerechtigkeit und Gleichheit im Zugang zu den Lebenschancen zu ermöglichen. (APA/red)

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Mehr zur Studie: www.welt-der-frau.at

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    Studienautor Zulehner
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